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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 254

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Wer hat das Schießpulver nach Deutschland gebracht?
Date
1919-02-10
Page
Seite 254 (sequence 3)
Language
German
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252 so hart bekriegten. Das griechische. Feuer ging in ihrer Hand offenbar ' in die Form des Schießpulvers über. Freilich muß gesagt werden, daß die Anwendung des Schießpulvers zunächst nur die war, daß man den Explosivstoff ohne bestimmtes Ziel nur schleuderte, ohne einstweilen an eine Zielrichtung durch Geschützrohre zu denken; , das war eben d&s Vorgehen, wie man es >von der Zeit des griechischen Feuers her kannte. Eine entscheidende Wendung hierin sollte erst im 14. Jahrhundert eintreten. Von vornherein läßt sich vermuten, daß dasjenige europäische Volk, welches jene Kenntnisse das erstemal von den Arabern überkam, die Byzantiner waren; aber in deren Reihen mußten es natürlich auch die Juden erfahren haben, wie man diese Dinge macht und benützt, ja, die Juden, als den Arabern verwandt und mit ihnen ' soviel verkehrend, konnten all das von den Arabern unmittelbar haben. Da nun setzt eine bedeutsame Nachricht ein, die uns blitzartig das Dunkel der Geschehnisse erhellt. Nicht der Fseiburger Mönch Berthold Schwarz hat als Erfinder des Schießpulvers zu denken — Berthold Schwarz hat als Erfinder des Schießpulvers zu gelten — der Jude Typseies, von dem wir leider nur diesen mangelhaften Namen kennen. Ihn nennt die Augsburger Chronik — diese wurde im 16. Jahrhundert geschrieben — als den, der im Jahre 1353 in der Stadt Augsburg erfunden (lies: eingeführt) habe das Schießpulver, das von da an in Deutschland so rasch verbreitet wurde. Ich sage: in Deutschland, denn die anderen westlichen Länder, namentlich Italien und Frankreich, werden schon Jahrzehnte früher das Schießpulver gekannt haben, weil sie mit Arabern und Byzantinern früher, und zwar in kriegerischer Art zu tun gehabt haben* Also hätte dje mittelalterliche Handelsmetropole Augsburg, genau so wie das erste Linnenpapier, so .auch die drste, aus Salpeter und Schwefel bestehende Mischung des Schießpulvers in Deutschland kennen gelernt. Augsburg hatte nachweislich Beziehungen zu Byzanz, und das ist der Weg, den das Schicßpiilver genommen. Die Tatsache der Erfindung (lies: Einführung) des Schießpulvers in Deutschland durch den Juden Typseies blieb den jüdischen Forschern nicht verborgen; sie wurde z. B. vermerkt durch Prof. XA. Berliner , (persönliche Beziehungen zwischen Christen und Juden im Mittelalter S. 26), der sich hierfür auf Clem. Jäger (Chronik der Stadt Augsburg) beruft (eine andere Quelle s. in Hebr. Bibliographie 9, S. 26), nur konnte man den „Erfinder*1 nicht gut fassen. Nun schrieb der bekannte Reichstagsabgeordnete Karl B r a u n in Wiesbaden schon im Jahre 1883 . in „Nord und Süd" (vgl auch „Jahrbuch für j. Gesch. u. Lit. 1909, S. 104), daß der Name „Typsoles" auf byzantinischen Ursprung hinweise, was wir nunmehr völlig begreifen können, da ja auch der Sache nach nur Byzanz den Ausgangspunkt dieser „Erfindung" bilden kann und nur ein Jude so recht der Vermittler sein konnte. Ein griechischer Jude .als Einführer des Schießpulvers in Deutschland — wahrlich, keine kleine Perspektive!

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