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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 253

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Wer hat das Schießpulver nach Deutschland gebracht?
Date
1919-02-10
Page
Seite 253 (sequence 2)
Language
German
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251 | aber den Sarazenen offenkundig geworden, konnte auch, den Juden, | die zahlreich im byzantinischen Reiche und im Orient lebten, nicht verj hohlen bleiben, wie wir gleich sehen werden. j. Schon in meinem Buche „Studien zur byzantinisch-jüdischen Gej schichte44 (Wien 1914) habe ich dargetan, daß die Juden das griechische | Feuer kannten. Es spielen auf dasselbe die MIdrasch-artigen rabbini-! sehen Schriften an, was kein Wunder ist, denn diese Schriften haben j die Gepflogenheit, biblische Vorgänge immer an der Hand von relativ! modernen Erscheinungen zu illustrieren. Damm z. B. spricht das jeruj salemische Targum zu 4. Buch Mosis 21, 28 „von den Feuerschwaden, die aus dor Stadt geschleudert werden", oder dasselbe Targum zu 2. Buch Mosis 19, 13 „von den Feuerpfeilen", die vom Berge herunter sich ein- : herwälzen. Es verrät das nicht eine Bekanntschaft mit dem griechischen Feuer an sich — eine solche hatte man wohl in der ganzen damaligen zivilisierten Welt —, sondern auch mit dessen näherer Beschaffenheit, mußte man doch, nach jenen Ausdrücken zu urteilen, sehr , gut wissen, daß das griechische Feuer in Form von Brandkugeln, die aus Mörsern geworfen wurden, seinen verheerenden Weg antrat Es kommt aber noch besser. Die Midraschira, die z. B. die ägyptischen Plagen als ebensoviele Kriegszüge Gottes gegen Ägypten auszumalen haben» berichten, anläßlich der Plago der „Geschwulst" in 2. Buch-Mosis 10, 22, daß Gott über die Ägypter „Naphtha geschleudert" habe. Immer habe ich mich gewundert, wieso die Rabbinen zu dieser bizarren Idee der Kriegführung kommen, um so mehr, als von den Römern, diesen Großmeistern der Kriegführung, kaum in schwachem Nachklänge berichtet wird, daß sie in" ihren Schlachten auch das Naphtha verwendeten. Dabei wird die Art der Verwendung des Naphtha durch die Kömer gar nicht berichtet. Hingegen beweist der bloße rabbinische Ausdruckt daß das Naphtha „geschleudert" worden sei, schon zur Genüge, daß das in fester Formung und mit maschineller Kraft geschehen ist. Da haben wir eben wiederum die Merkmale des griechischen Feuers. Man muß eben wissen, daß das entzündbare Naphtha^ das die Griechen, vermischt allerdings auch mit Schwefel, Kohle, Pech, Harz und auch wohl mit Salpeter usw., zu ihrem „Feuer" nahmen, nicht das leicht flüchtige, helle und sehr entzündbare Erdöl war* das vom Kaspisciion Meere stammte und auch schon den Alten bekannt war, sondern das Schwert», dickflüssige und dunkle Erdöl, wio es etwa vom Boden Babylonieris gewonnen wurde und den Juden nach ausdrücklichen Nachrichten gewiß bekannt und von ihnen auch in Yerkehr gebracht war. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, haben also die Juden Wesen, Zusammensetzung und Verwendung des griechischen Feuers sehr gut gekannt. Die Araber kannten, wie gesagt, das griechische Feuer im 11, und 12. Jahrhundert, und ungefähr um dieselbe Zeit taucht in Europa auch die Kenntnis des Schießpulvers auf. In China schon längst bekannt, hatten es die- Araber wohl nur vervollkommnet, als sie mit ihrem Schieß pulver, das sie aus Kohle, Salpeter und Schwefel bereiteten, in den Kreuzzügen die Christen

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