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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 255

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Wer hat das Schießpulver nach Deutschland gebracht?
Date
1919-02-10
Page
Seite 255 (sequence 4)
Language
German
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253 Auf zwei, wenn auch ganz kleine Momente darf dabei noch hingewiesen werden. Auf das eine, nämlich auf den Namen „Pulvermacher", der bei den deutschen Juden vom 16. Jahrhundert an verbreitet ißt, hat schon Kaufmann Kohler, der Verfasser jenes Artikels im „Jahrbuch" (jetzt in Cincinnati-Amerika), aufmerksam gemacht: auf das andere, .viel beweiskräftigere, mache ich hiermit aufmerksam, ich meine den Namen „Feurschutz", der z. B. in Nürnberg im Jahre 1384 urkundlich bei Juden auftaucht; man sieht: Jahr 1384 und Ort Nürnberg — passen sehr gut zu der Einführung des Schießpulvers im Jahre 1353 in Augsburg. Der Jude, der sich „Feurschutz" nannte, konnte offenbar mit der neuen Waffe umgehen, wenn er sie nicht gerade machte oder reparierte. Ja, jeher „Snioy" (d. i. Samuel) Feurschutz in Nürnberg, den wir im Sinne haben, war laut Urkunde ein von Steuern befreiter Mann; welchem Umstände wohl hatte er das zu verdanken? weil er in Kriegsvcrwendiuig stand? Gewiß nicht! Dazu war ein Jude in der damaligen Zeit wenig brauchbar. Aber der gute Mann stand wohl im Dienste der Kriegsindustrie, d. h, er war ein Kriegshandwerker, und das konnte man damals würdigen! Zum Schlüsse verzeichnen wir noch ein Kuriosum: Der als Gelehrter und Arzt so berühmte Benjamin Mussafia in Hamburg (17. Jahrhundert) behauptete allen Ernstes, schon die alten Israeliten hätten das Schießpulver gekannt, und er folgert das aus der BibelsteHe 5. Buch Mosis 29, 22: „Schwefel und Salz" (d. i. Salpeter), „davon verbrannt ist das ganze Land41. Derselbe Gelehrte hat übrigens aus „Me Zahab" 1. Buch Mosis 36, 39 gefolgert,' daß den Israeliten eine Anzahl von chemischen und — alchimistischen Künsten bekannt war; wir sehen, daß es solcher Phantastereien und Anpreisungen nicht bedarf, um die >Juden auch in diesem Belange von einer ehrenhaften Seite kennen zu lernen. Ein jüdischer Holzschnitt Von A. E. aß dein Schreien und dein "Weinen und die Tränen deiner Augen, denn deine Arbeit wird wohl belohnet werden, - spricht der Herr. Sie sollen wiederkommen aus dem Lande des Feindes. Und deinen Nachkommen ist eine Hoffnung, spricht der Herr, und deine Kinder sollen wieder in ihr Land kommen." So spricht der Herr zu der Mutter Rahel, die über ihre Kinder weint. Diese Worte des Propheten Jeremias, diese unsagbar trostvollen Worte kamen dem jüdischen Künstler in den Sinn, als er die Kunde von dem Lemberger Schlachten vernahm. Und diese Worte, und nicht die Bilder der Greuel waren es, die ihm den Stichel in die Hand drückten und ihn vor den Holzblock zwangen. Glühende Inbrunst, und nicht Zorn war es, was seine Hand führte, und so entstand nach einem Tilge und einer Nacht und noch einem Tage das schöne, fromme Blatt, das jetzt vor uns liegt. Inmitten einer von Flammenzungen umloderten Wüste steht der Prophet, den Stab in der Linken, die Rechte segnend und

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