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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 246

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Sozialisierung in Palästina
Date
1919-02-10
Page
Seite 246 (sequence 4)
Language
German
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244 zu tun hat, Vernunft und Marxismus erkennen gemeinsam dem Unternehmungsgeist des Einzelnen diö Schöpferrolle zu und erkennen in den Erwerbstrieb und das Eigeninteresse die Triebkraft aller produktiven Entfaltung, Erst nachdem der Mohr des Kapitalismus seine Arbeit getan hat, meint der Marxismus, kann er gehen. Der Mohr des Kapitalismus hatte seine Arbeit im vorkriegszeitlichen Deutschland schier vollbracht; heute ist er fast so klug wie etwa anno 1850. In Palästina hat er mit der Arbeit kaum erst begonnen. Soll er schon gehen? Die Vertreter einer ganz auf die graue Theorie zugeschnittenen Sozialisierungsforderung haben sich olfenbar noch nicht die Frage gestellt, wie diese Forderung in Palästina zu verwirklichen wäre. Wir sprechen nicht von den bereits in jüdischen Händen, :uim überwiegenden Teil als Privateigentum, befindlichen Bodenbesitz. Die Vergesellschaftung dieses Landbesitzes und dessen Enteignung würde auf gewisse nicht zu unterschätzende Schwierigkeiten stoßen — Großbritannien, dessen Recht, in Palästina gilt, wird für derartige bolschewistische Liebhabereien schwerlich etwas übrig haben —, die durch keinen Machtspruch zu überwinden sein werden. Indessen, das bereits Bestehende fällt ja überhaupt kaum allzu schwer ins Gewicht» Die zehn Prozent des bewirtschafteten Bodens (40 000 von 400 000 ha) und zwei Prozent der gesamten Bodenfläche (500 von 30 000 qkm) stellen einen Anfang dar, der im Verhältnis zu den weitgesteckten nationalen und politischen Zielen kaum als erheblich bezeichnet werden kann. Eine Sozialisierung des noch ku erwerbenden Bodens wäre aber schon rein, technisch nur dann denkbar, wenn dieser Boden von vornherem nicht von Privaten, sondern mit den Mitteln öffentlicher Fonds erworben wird, wenn das künftige palästinensäsche Siedlungswerk nicht der Privatinitiative, sondern nationalen Kolonisationsinstitutionen überlassen wird. Agrarbank, Nationalfonds und sonstige öffentliche gemeinnützige Gründungen sind es auch, an die in diesem Zusammenhang gedacht wird. Nun wird sich aber niemand, dem unsere nationale Sache ernst genug ist, um sich keinen unhaltbaren Illusionen hinzugeben, verhehlen können, daß die Milliardenbeträge heischende Finanzierung des in durchaus mäßigem Rahmen zu haltenden künftigen palästinensischen Siedlungswerke^s — wir schließen uns Lichtheims Maximalaufstellungen auf dem 15. Delegiertentag vorbehaltlos an — wedervom Nationalfoncte, noch von anderen noch zu schaffenden öffentlichen Institutionen bewerkstelligt werden kann. Man dürfte sich vielmehr in einsichtigen Kreisen darüber klar sein, daß das künftige palästinensis-che Siedlungswerk in der Hauptsache der Privatinitiative und dem Privatkapital überlassen bleiben muß. Von dem Maße, wie es tatsächlich" gelingen wird, das Privatkapital für die jüdische Palästinasiedlu^g flüssig zu machen, hängt tatsächlich die Zukunft unseres Landes und die Verwirklichung unserer nationalen Bestrebungen zionistisch - sozialistisch bzw. sozialrefonnerische Kreise. In Dr. Fritz Stornbergs Aufsatz über die „Soziale Lehre der deutschen Revolution für den Neuaufbau Palästinas" (N. J. M. Jahrg. III, Heft 6) bleibt dieses . Problem unberührt.

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