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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 242

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Karl Marx
Date
1919-02-10
Page
Seite 242 (sequence 5)
Language
German
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Es war kein Judo und nichts Jüdisches war ihm bewußt eigen. Ach, unsere Gefühle sind älter als unsere Gedanken, und klüger als beide der Instinkt, Tief unter der Schicht der Bewußtheit, da lagern der Seele Schätze. Im faustischen Erkenntnisdrang ward er sich um sein Letztes und Tiefstes nicht bewußt. Sein Letztes und Tiefstes war das Jüdische. Aus dem Felsen altjüdischer Glaubenskraft geschlagen war die Flamme seines göttlichen Pathos, und als er den Feuerstrom seines Ethos in die Welt hinausspie und den Brand eines Jahrhunderts entfachte, da war es das heilige Feuer, das deg> Heros Israel „im Gebein" schwelte. Den Saiten einer Levitenharfe entströmte die Sturmmusik seiner Seele, er, dessen Vorfahren aich»mit Stolz zum Stamme der Eiferer und Priester zählten. Daß das alte Vätererbe schon in frühen Tagen seinen jungen Schultern entsank — was verschlägt es? Gut mit ihm, mit uns, mit der Menschheit hat es am Ende das Schicksal gemeint, als es ihn früh einem Boden entwurzelte, in dem sein Bestes nicht gedeihen konnte. Sein Letztes und Tiefstes. Als ein „wertvolles Erbe" preist Franz Mehring die Fügung, daß er das Niederzerrende und Herabdrückende seines angestammten Milieus schon früh los wurde. Mit Recht, sagen w i r. Wie gut ist es, daß er nicht deutscher Jude der Emanzipationsära geworden ist Wäre er Jude, so wäre er höchstens ein Lassalle, aber kein Marx geworden. So aber wurde er der b e s.s e r e Jude. Demi — der Welt war er Jude geworden. Denkt man an sein Letztes und Tiefstes, an seines Wesens Kern und Wurzel, so findet man zur umfassenden Kennzeichnung der Einzigartigkeit und Einmaligkeit von Persönlichkeit und Leistung keinen anderen Ausdruck als jenes Wort von tieftönendem Klang: Prophetie. Prophetisch ist an ihm nicht nur Rhythmus und" Temperament, sondern noch mehr die ganze Lebenstat: seine Idee. Er hat seine ureigene Tatidee als „wissenschaftlichen Sozialismus" bezeichnet. Von der platonischen Ideenlehre sagt der nüchterne Stagcirite, sie wäre dem Bedürfnis entsprungen, dem in der ewigen Flut des heraklitischen Werdens rastlos umhertreibnden Begriff der Wissenschaft den festen Punkt zu schallen. Der Spätgeborene stutzt und glaubt sich mit Recht wissender als der Jünger. Karl Marx' Idee mag ihre höchsten Gipfel der Sonne der Erkenntnis entgegengestreckt haben, ihre tiefsten Wurzeln liegen, doch im Erdreich eines; prophetischen Weltgefühls. Was ist das Höchste und Tiefste dieser Idee? Höchstes und Tiefstes aller prophetischen Erfahrung: Identität von Weltgesetz und Moralgesetz, Gleichstellung von sittlicher Ordnung und Weltordnung. Unabhängig vom menschlichen Wollen und Sollen, von Menschenwitz nur im Laufe gehemmt oder gefördert,* vollzieht sich die sittliche Forderung als Naturgesetz, die Immanenz der Weltgerechtigkeit. Dem Guten ist das Böse dienstbar, Gutes schafft die Macht, das das Büse will. Der Teufelshunger nach Mehrwert treibt durch Entfaltung des konstanten auf Kosten des variablen Kapitals zur Verelendung des ■Elends selbst und räumt gleichzeitig durch die zunehmende Konzentration unter den Trägern der ungerechten Ordnung selbst gründlich auf. Das Böse ist so zum Selbstmord verdammt, und die mehrwert-

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