Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 9-12 (10.2.1919)
- Article
- Karl Marx
- Date
- 1919-02-10
- Page
- Seite 243 (sequence 6)
- Language
- German
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241 raffende Hand wird zum Werkzeug und Vollstrecker der Weltgerechtigkeit! Da stritten Idealisten und Materialisten über Naturgesetz und Menschenfreiheit, rangen Optimisten und Pessimisten um den Glauben an das Gute oder an das Böse — da kam er und erhob das Ideal zum Naturgesetz und machte, das Böse zum Werkzeug des Guten. Indem er Wirklichkeit über Idee, Sein über Bewußtsein stellte, überwand er den Idealismus; indem er Idee Wirklichkeit, sittliches Bewußtsein Sein werden ließ, überwand er zugleich den Materialismus. Was dem kühnsten Geist unmögliches Wagnis dünkte, was. dem gewaltigsten Streben nicht gelang, in der Glutesse des prophetischen Ethos ist es Ereignis geworden: Zu einem Gesetz sind die feindlichen Mächte Ideal und Wirklichkeit zusammengeschweißt. Nur so wird es erklärlieh, daß' der Prophet des neunzehnten Jahrhunderts im Sein und Bewußtsein der leidenden Menschheit nicht als Sozialreformer und Freiheitskämpfer,- sondern darüber hinaus als Heilaverkünder fortlebt, daß seine', welthistorische Bedeutung und Wirkung zur Würde und Macht der des Religionsstiftcrs auswächst. Sozialisierung in Palästina Von Dr. L. Bergmann, Berlin. 2U?l^Cie im ^u** *918 zu Pittsburg stattgefundene Konferenz der amol IMwl rik&nisehen Zionisten, die von der gesamten jüdischen Üffontäl^^C lichkeit der Neuen Welt als die „Gründungsversammlung für das neue Palästina" begrüßt wurde, hat die Sozialisierung des jüdischen Wirtschaftslebens in Palästina beschlossen. Der 15. Delegiertentag der deutschen Zionisten war einsichtig genug, diesem Beispiel nicht nachzueifern: immerhin'fehlte es auch in seiner Mitte nicht an recht kräftigen Stimmen, namentlich aus den Kreisen jener radikalen und radikalisierenden jüdischen Jugend, der mehr BegeisterungsfäWigkeit als Verantwortungsgefühl eignet, die das Sozialisierungsprogramm auch in Palästina lieber heute als morgen restlos verwirklicht wissen möchten. Ein Delegiertentag der deutschen Zionisten kann seinem ganzen Charakter nach keinen Anspruch darauf erheben, ein getreues Abbild aller Strömungen , und Richtungen innerhalb der weltumfassenden Gesamtorganisation darzustellen. Von den radikalen Gruppen innerhalb des Zionismus war auf ihm nur ein" wohl zufällig und .vorübergehend in der deutschen Reichshauptstadt zeltender Vortrupp des „Hapoel-Hazair" vertreten: die eigentliche zionistisch-sozialistische Richtung' innerhalb der Gesamtorganisation, der in den Kriegsjahren auch auf deutschem Boden gediehene Poale-Zionismus, glänzte durch seine Abwesenheit, Was den Hapoel-Hazair anlangt, so darf wohl behauptet werden, daß diese Richtung, die durch die gleichgerichtete „Zeire-Zionu-Bewegung im Osten eine bedeutende Verstärkung erfährt, an der Sozialisierungsforderung zumindest grundsätzlich nicht festhält.1 Von den beiden gerade in der letzten Zeit sich scharf voneinander abhebenden Flügeln dieser Partei, dem ausgeprägt sozialistischen und dem sozialreformerischen, wird zumindest der letzte (vorderhand wohl die Mehrheit dar-