Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 9-12 (10.2.1919)
- Article
- Karl Marx
- Date
- 1919-02-10
- Page
- Seite 240 (sequence 3)
- Language
- German
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,236' nicht als deren Urheber, so doch als deren bevorzugter Trümer erscheinen. Marx, dessen eingleisiger, dogmatisch gerichteter Geist bei allem Historisieren doch geschiehtsblind war, hat die Stellung und die Aufgabe der Juden in diesem Entwicklungsprozeß verkannt und wäre wohl auch bei besserem Wissen zu;deren gerechten Würdigung außerstande gewesen. Seine ganz auf die Produktionsphase als einziger Quelle des Wertes gerichtete, die zirkulator is che Funktion ausschaltende, ja als wertnegativ hinstellende Betrachtung hätte den Juden, die ja vom Handel her die durch B e v ö1k e r un g s v e r m e h r u n g und t e c h 3a i s c h e Errungenschaften gesteigerten Produktionskräfte befruchteten und dem neuen Wirtschaftsgeist Bahn brachen, nicht einmal jenes Maß von Anerkennung und Gerechtigkeit angecleihen lassen, den er in jenen gegen diesen Goist Anklage erhebenden, nie .verhallenden Worten. ' meines „Kommunistischen Manifestes" dem Überwinder und Erben "des Feudalsystems und Zeuger der proletarischen Zilie unftSges eil schaft nicht ohne Begeisterung entgegenbringt. (Daß er der Bourgeoisie neben anderen, wesentlich technisch-politischen Verdiensten auch das der. Sch äff ung des Nationalstaates zuerkennt, sei hier besonders hervorgehoben.) Genug: sein Urteil über das Judentum stand fest: von gegebenen, zeitlich imd räumlich bedingten Zuständen abstrahiert, wurde seine Auffassung zum Begriff des „Wesens** der jüdischen Art schlechhin .verallgemeinert. Zum ersten (und einzigen) Male gibt der Fünfundzwanzigjährige dieser seiner Auffassung in einer Besprechung der gleichzeitig erschienenen Bruno Bauerschen Schrift „Zur Judenfrage** in den in Paris herausgegebenen ..Deutsch-Französischen Jahrbüchern" (1844) Ausdruck. Es ist dies das Jahr, in dem Marx den Weg zum Sozialismus findet, und man muß ihm seine völlige Unkenntnis jüdischer Geschichte, seinen von jäh auflodernder Impulsivität eingegebenen Verallgemeinerimgstrieb und seinen sozialen Fanatismus zugute halten, um die darin ausgesprochene Überzeugung objektiv würdigen zu können. Er tadelt die religiöse Befangenheit Bauers, der in die Behandlung des rein gesellschaftlich zu stellenden und zu lösenden Judenproblems ein religiös-ideales Moment hineintrage; er sehe den „Sabbat-" und nicht den „AlltagsjudonV. Das Wesen des „wirklichen Juden** will er nicht in der Religion, sondern vielmehr den Kern der religiösen Eigenart in der primären jüdischen Wesenheit erblicken. „Das Geld ist der eifrige Gott Israels, vor welchem kein anderer Gott bestehen darf . , . Die' chimärische Nationalst des Juden ist die Nationalität des Kaufmanns, überhaupt des Geldmenschen.*' Der wirkliche Jude sei ein Mann des „Schachers**, ' dieses „höchsten praktischen Ausdrucks der menschlichen, Selbstentfremdung**. Daher eei „die Emanzipation des Juden die Emanzipation der Menschheit vom Judentum*'! Um der wahren Emanzipation teilhaftig zu werden, müsse sich der Jude von seiner ihn innerlich herabdrückenden und absondernden Eigenart, seiner als „beschränktes^ Wesen** gekennzeichneten Nationalität, lossagen. „Wir sagen den Juden, weil ihr politisch emanzipiert sein wollt, ohne euch vollständig