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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 231

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Aus der Sprachgeschichte der Juden
Date
1919-02-10
Page
Seite 231 (sequence 11)
Language
German
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229 währt, die durch die besondere Geistesverfassung Israels ihren Nachbarn und allen Völkern gegenüber unverkennbar ist. Der strengo Monotheismus schuf eine geistige Scheidewand. Infolgedessen hatte schon die hebräische Sprache, wie sie von den Juden gesprochen, wurde (Jehudit), eine besondere Stellung innerhalb der Szefat Kena'an. Die religiöse Verbundenheit des Judentums hat aber, von Episoden abgesehen, immer zugenommen und hat bei den aschkenasischen Juden in Polen und Rußland ihren Höhepunkt erreicht. Infolgedessen wirkte das scheidende Moment weiter fort. Ja diese herzinnige Verbindung mit dem ewigen Ideengehalt des Judentums trug auch ohne räumliche Trennung* zu einer gewissen Eigenentwicklung der Judensprachen bei. Täglichsprach der Jude dreimal seine hebräischen Gebete. Außerdem gab jede Lebcnshandlung, wie Waschen und Speisen, den Grund zu kürzeren und längeren Huldigungen an Gott, den Herrn. Die Ausdrücke des Gebetes wurden aber ihrer Begriffe wegen, die in der Umgangssprache des umgebenden Volkes keinen völlig gleichwertigen Ausdruck fanden, zu festen Bestandteilen der jüdischen Redeweise. Solche Ausdrücke ausdem synagogalen Leben und dem jüdischen Denken, die dem Hebräischen entnommen sind, mußten mit der ganzen religiösen Sphäre in die Ausdrucksweise der Juden eindringen, angefangen vom Aramäischen und Griechischen bis in die heutige Zeit, wo sich in Süddeutschland unter dem Einflüsse der in Frankfurt zentralisierten Sonderorthodoxie ein eigener neuer jüdisch-deutscher Dialekt gebildet hat, der vom Jiddischen unabhängig ist. Biblische Ausdrücke und Bilder und nachher talmudische Zitate und Ausdrucksweisen sind in alle jüdischen Mundarten übergegangen. Was hier positiv, durch den Zusammenhang mit dem jüdischen Leben und Denken gewirkt wurde, das wurde bestärkt und verdichtet durch den vielfachen Ausschluß, den die Juden erduldeten. Indem sio gewaltsam vom allgemeinen Volksleben zurückgedrängt wurden, konnte ihre Sprachentwicklung nicht die völlig gleiche sein wie außerhalb der Ghettos. Die tausendjährige Feindschaft, welche sie in finstere Gössen sperrte und sie mit Spott und Verachtung überhäufte, mit Feuer und Schwert verfolgte, trug zur Trennung der Judensprachc von der Mundart der Verfolger bei. Der eigene Zusammenschluß und die erzwungene Abschließung wirkten zusammen. Infolgedessen mußten sich auch außerhalb des spezifisch jüdischen und synagogalen Zusammenhanges besondere dem weltlichen Leben angehörige Ausdrücke bilden. Durch die so häufige gewaltsame Trennung von dem Ursprungslande ihrer Sprache wurden sie vollends zu einer eigenen Sprachentwicklung gedrängt. Daß sie aber die alte Sprache beibehielten, statt die neue1 Landessprache anzunehmen, dahin wirkte der gewissermaßen konservative Charakter der Juden, vielmehr jedoch der Umstand, daß ganze Landsmannschaften von Juden geschlossen wandern mußten. Einer der wichtigsten Gründe freilich für die Bildung besonderer Judensprachen innerhalb und aus den Sprachen der umwohnenden Völker wurde das innige, jüdische .Familienleben. Dort, wodieses weniger herzlich ist, wo es kein so inniges festes Band zwischen ■ Vätern und Sühnen gibt, da gibt es Risse und Klüfte in der Sprach-

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