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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 230

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Aus der Sprachgeschichte der Juden
Date
1919-02-10
Page
Seite 230 (sequence 10)
Language
German
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228 des Judentums in englischer'Sprache erscheinen konnte und daß heben den großen jiddischon Tageszeitungen eine nicht unbedeutende jüdische ' Presse in der Landessprache blüht, zeigt, daß die Träger dieses Schrifttums, die russisch-polnisch-rumäniechen Juden sich trotz der jiddischistischen Bestrebungen in einem Übergänge vom Jüdischdeutschen zu einemvors erste jedenfalls jüdisch gefärbten Englisch befinden. Die amerikanische Einheitsschule wirkt hierin noch mehr als der tägliche Verkehr bei Arbeit und Handel. Es gibt auch jüdischdeutsche Mundarten noch innerhalb des deutschen Staatsgebietes, im Elsaß, in Holland und sogar in Frankreich. Es wäre wünschenswert, wenn diese vielfach nur noch rudimentär vorhandenen Dialekte vor ihrem völligem Verschwinden wissenschaftlich aufgenommen würden. Andererseits hat auch die Redeweise der Jaden die deutsche Schriftsprache sehr stark beeinflußt. Die .Umbildung des "deutschen Stiles in den letzten Jahrzehnten, die aber schon mit 'Heine und Börne begonnen hat, geht zum großen Teile auf den starken Anteil der Juden an der deutschen Literatur zurück. Ihr Einfluß bewirkt namentlich die Auflösung der Perioden. In der Eigenart jüdischen Sprachempfindens liegt es, an 'Stelle der Subordination die Nebenemanderstellung der Gedanken und Sätze zu geben. Es würde zu weit führen, hier auf die Judensprachen der zahlreichen kleinen abgesprengten Judenstämme einzugchen, die in der Sahara und im Sudan, in Abessinien und an der' Somaliküste eigene Mundarten sprechen, die nicht immer mit den Dialekten der näheren Umgebung den Zusammenhang erkennen lassen. An dem Sprachengewirr im Kaukasus nehmen auch die' Juden vollen Anteil. Die Bergjuden in Daghestan sprechen einen iranischen Dialekt, das Juden-Tat, oder wie sie es selbst nennen, Färsi-Tät. Die Juden im westlichen Kaukasusgebiet reden grusinisch, die alteinheimische Judenbevölkerung der Krim eine eigene tatarische Mundart. . Südlich vom Kaukasus und in Mesopotamien hat sich Aramäisch als Sprache der Juden erhalten. Sie benennen es aber mit den Namen der hebräischen Sprache. Die Sprachverhältnisse der indischen Juden und der .in China ansässigen altchinesischen Juden "ebenso wie der neueren Gemeinden, die über Arabien und Indien dorthin gelangt sind, erfordern einen breiten Raum, wenn man sie auch nur andeutungsweise behandeln wollte. Viel wichtiger ist es, die treibenden Kräfte zu' suchen, welche . wiederholt dazu geführt haben, daß die Juden einen eigenen Weg in ihrer Sprachenentwicklung gegangen sind. Es ist klar, daß .es kein Zufall sein kann, wenn, sich in mehr als zwei Jahrtausenden immer wieder dieselben Erscheinungen in der Sprachenentwicklung der Juden zeigen. . Denn das alte jüdische Aramäisch und das Judenpersische, das Judenspanisehe und das Judendeutsche haben ganz parallele Erscheinungen gezeitigt, die nicht bloßes Zufallsspiel sein können, sondern fortwirkende gleichgerichtete Ursachen haben müssen. Schon bei der Bildung der Besonderheit des ,von den Juden in Palästina gesprochenen Hebräisch innerhalb der Gruppe kena'anäiseher •Mundartenhat sich als treibende Kraft die kulturelle Scheidung be-

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