Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 9-12 (10.2.1919)
- Article
- Aus der Sprachgeschichte der Juden
- Date
- 1919-02-10
- Page
- Seite 228 (sequence 8)
- Language
- German
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226 Difese ältere jüdische Bevölkerung wohnt meist nicht in den Handelsstädten an der Küste, sondern mehr in kleineren Plätzen und weiter im marokkanischen und algerischen Binnenlande. Sie Averden von den Spagnolen als foxestcros bezeichnet, d. h. als Außenstehende, etwa als Bauern, .angesehen. Dagegen nennen sie sich selbst Filistini, also Palästina, und begründen dies damit, daß sie nicht aus Spanien oder einem anderen Lande, sondern unmittelbar nach der Zerstörung Jerusalems aus Palästina direkt in ihre jetzigen Wohnorte gekommen .seien. In der Tat hat es hier Juden seit uralter Zeit gegeben. Wie uns der"jüdische Friedhof von VolubDis zeigt, haben die frühesten uns erreichbaren Juden lateinisch gesprochen. Doch sind die arabisch sprechenden Juden noch nicht die iiiteste noch vorhandene Schicht jüdischer Einwohner dieser nprdafrikani sehen Länder, Vielmehr sprechen diese Juden des Atlas und vielfach des .inneren Landes Berbersprachen, vor allem Schellah und Tamarsirht,'vielfach in besonderen jüdischen Mundarten. Wie wir aus den arabischen Historikern erfahren, haben die islamischen Eroberer große Judenschaften vorgefunden, welche in voller Harmonie unter den Berberbevölkerungen lebten und ebenfalls die Berbersprachen redeten. So stehen hier in den spagnoliseh, arabisch und berberisch redenden Juden drei historische Schichten der Juden aus drei ganz verschiedenen Judenwanderungen nebeneinander vor uns. 'Während das Spanische bei den Juden einen unerschütterlichen Bestand hatte, ist das Portugiesische nicht so fest geblieben. Zwar haben die ßefardischen Juden der Niederlande ziemlich lange ein reim.i . Portugiesisch geschrieben und erst seit einem Jahrhundert die portugiesische Volkssprache gänzlich zugunsten des Holländischen aufgegeben. Aber in den norddeutschen Seestädten haben sie recht früh das /mitgebrachte Idiom gegen das Plattdeutsche ausgetauscht, weshalb auch die aschkenasische Gemeinde Hamburgs sich im . Gegensatze dazu die hochdeutsche Gemeinde nennt. Sie hatten auch nach den portugievsisefaen Kolonien und den holländischen Kolonialbesitzungen ihre portugiesische Sprache mitgenommen. Sie war aber, dort ziemlich stark mit Hebräisch durchsetzt. Im Jahre 1838 wurde dann zum ersten Male in der Synagoge von Surinam in holländischer Sprache gepredigt. Die Bevölkerung dieser Kolonie besteht noch heute zum großen Teile aus Negern, während die oberen, weißen Klassen fast ausschließlich Juden sind. Ein großer Teil der frlilieren Plantagensklaven, hat sich nach seiner Freilassung in das Innere von Guyana zurückgezogen und bildet am Oberlauf des Saramakka den Buschnegerstamm der Saraniakkaner. Er hat die portugiesische Judensprache von seinen ehemaligen Herren übernommen, sie weitergebildet und spricht diese Jew-Tongo (Dschoe- Tongo) .noch heute. Von ihr existieren noch mehrere Abarten, so namentlich auf der Insel Curagao, die nicht bloß den Juden als die Handelsverkehrssprache dieser Gegenden dienen. Die größte Zahl der Juden war aber frühzeitig nach Norden gewandert. Sie hatten sich die Rhone aufwärts und den Rhein abwärts gewendet. Das frühe Mittelalter kannte zahlreiche Judengemeinden in Frankreich und England, die erst der fanatischen Anschauung der