Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 224

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Aus der Sprachgeschichte der Juden
Date
1919-02-10
Page
Seite 224 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2908689-2908735-2908742-2911640--2318-2911700
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

222_. . _ _......_ _____....._........______......_............._ _........ . ..... ■ . <* hebräischen Literatur in den gelehrten Studien, die in aramäischer Sprache getrieben wurden. Die Weisheit, über die man diskutierte, lag in hebräischem Texte vor und mußte ständig zur Beweisführung zitiert v/erden. So wurde, nunmehr das Aramäische der Juden von ihrem hebräischen Gute noch .viel stärker beeinflußt als ursprünglich das Hebräische durch dieses. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die beiden Schwestersprachen im Munde und schriftlichen Gebrauche der Juden so innig durchdrungen, daß sich nicht bloß verschiedene jüdische Arten des Aramäischen bildeten, sondern daß eine eigene Sprache entstand, die noch heute in der rabbinischen Literatur lebt und die weder hebräisch noch aramäisch und doch beides ist. Aber schon in viel früherer Zeit als der mischnisehen und talmudischen waren noch andere Sprachwandlungen bei dem wandernden Judenvolke zu beobachten. Die Juden, die von Palästina her ausgeschwärmt waren, hatten vor allem in Ägypten, zu dem sie uralte Beziehungen hatten, so dichte Siedlungen, daß sie in der ptolomäischen Zeit rund ein Siebentel der Bevölkerung ausmachten. In der Großstadt Alexandrien allein bildeten sie zwei Fünftel der Einwohnerschaft dieser zweiten Stadt des Römischen Reiches. In Leontopolis hatten sie an de^ Stelle des einstigen wüsten Bubastis einen eigenen Tempel in der Art des Jerusalcmer Heiligtums. Sie assimilierten sich in allen Äußerlichkeiten dem herrschenden hellenischen Elemente sehr schnell und sehr stark. Binnen verhältnismäßig kurzer Zeit hatten sie das Hebräische und Aramäische mit dem Griechischen vertauscht. Sie spielten im griechischen Alexandrien eine so hervorragende und tiberragende Rolle, daß selbst die - Literatur dieser griechischen Epoche in hohem Maße den Stempel jüdischen Geisteseinflusses trügt. Das Moment, daß sie unter allen Umständen als Hellenen erscheinen wollten, als Griechen mosaischer Konfession, hat nicht bloß zur inneren Auflösung "des Judentums beigetragen,, sondern hat erstmalig in der Welt systematische Judenfeindschaft, hat zum ersten Male Antisemitismus erzeugt. Von dort haben ihn die späteren Juden auch anderer Länder geerbt. Diese Juden schrieben ein hervorragend gutes Griechisch. Sie wurden tonangebend im griechischen Stile und haben durch ihre Bücher die Ideenwelt des klassischen Altertums allmählich zerfressen. Daß das Christentum in so kurzer Zeit, das geistig zersetzte Hellenentum und Römertum überwinden konnte, hat es ausschließlich dem assimilierten griechischen Judentum zu verdanken. Das Judentum erbte auf diese Weise den Haß, das Christentum die Weltherrschaft Die Juden wohnten in Alexandrien nicht bloß in allen anderen Stadtquartieren unter den Griechen und Ägyptern und hatten dort Bethäuser, sondern die beiden Stadtteile ß und <5 waren fast ausschließlich von ihnen bewohnt. So könnte man schon ohne weiteres voraussetzen, daß sich dort Eigenheiten jüdischer Redeweise gebildet hätten, wenn keine Dokumente über eine solche dialektische Färbung vorlägen. Die Übertragung des Alten Testaments, die sogenannte Alexandrina oder Septuaginta soll deshalb nicht herangezogen v/erden, weil sie schließlich nur eine Übersetzung ist. Aber wir haben Literaturdokumente, die uns darüber Idar belehren,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.