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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 223

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Aus der Sprachgeschichte der Juden
Date
1919-02-10
Page
Seite 223 (sequence 3)
Language
German
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.221 blieben ist. Erst während der Vereinsamung des kleinen Stamme*? Jehuda in. Südpalästina umbrandot allmählich der mächtige Einfluß des umgehenden Aramäisch, das zugleich anerkannte Staats- und Diplomaten- «prache dos persischen Orients war, ebensosehr den kloinen hebräischen Kreis Johuda und beeinflußt dort die Mundart, wie es allmählich dazu führt, daß das Gebiet der hebräischen Sprache immer enger wird. Zwar bleibt sie die anerkannte Sprache der Juden. Ja, mit dem Worte Jchudit wird ausdrücklich das Hebräische bezeichnet. Aber das Gebiet Schmilzt mehr und mehr ab. Die Machterweiterung der Juden unter den Makkabäcm trägt nicht zur Erweiterung, des hebräischen Sprachgebiets bei. ' Denn einerseits ist bereits das Griechische im vorderen Orient durch Alexander und die Diadochcnstaaten mächtig geworden und wird auch durch die Makkabäcr nicht gemindert, andererseits trägt der Umstand, daß die galiläisehe Provinz auch nicht hebräisch, sondern neben dem Griechischen wohl zum großen Teile aramäisch oder zum mindesten aramäisch gefärbtes Hebräisch spricht, zur Einengung des Hebräischen im kleinen Judenstaate bei. Schon viel früher haben babylonische und aus Babel gekommene .luden aramäisch gesprochen und geschrieben, und so gibt es sogar Bestandteile des hebräischen Kodex in aramäischer Sprache. Später aber, als d'.T zweite jüdische Staat durch die Römer vernichtet worden ist, wächst dem Hebräischen das Aramäische vollends über den Kopf. Denn während die Reste hebräisch sprechender Bevölkerung, soweit sie ihr Leben retten, unter anderssprachige Völker zerstreut werden, bleiben die Massen aramäisch sprechender Juden, vor allem in Babylonien, von diesen Verheerungen unversehrt. So verschwindet das Hebräische im Laufe der nächsten Generationen völlig, wenn wir auch beweisen können, daß es noch jahrhundertelang im Munde des Volkes lebte, während es damals nach der bisherigen zünftigen Ansicht bereits völlig tot war. Ja, die leichten Aramäismen der späteren Sprache, der Umstand, daß sich auch' das Hebräische der Mischna in Worten und Formen, in Stil und Syntax vom Aramäischen stark beeinflußt zeigt, beweist, daß damals die hebräische, Sprache eine gesprochene war. Denn nur eine literarische Sprache, die schulmäßig an der Hand der biblischen Literatur erlernt worden wäre, hätte sich gerade vor solchen Abänderungen gehütet. Also in dieser Zeit lebte das Hebräische immer noch als lebendige Sprache im Munde des Volkes. Aber während das Aramäische, das die Juden im Exil angenommen hatten, wenigstens in ihrem literarischen Gebrauche zuerst durchaus rein erscheint, wie wir aus den in Elephantine gefundenen Papyri der dortigen Juden der Perserzeit sehen, hat dieses Aramäische im Munde und Gebrauch der Juden bald eine besondere Form und Eigenart angenommen. Sie haben im Aramäischen, das sie sehr wohl als besondere Sprache erkannten, bald doch nur etwas wie eine Abart der eigenes Sprache gesehen, und die nahe Verwandtschaft beider Idiome hat dazu beigetragen, die Hebraisierung des Aramäischen im mündlichen und literarischen Gebrauche der Juden zu erleichtern. Den mächtigsten Anstoß dazu «-ab neben dem Kultus die ständige Beschäftigung mit der

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