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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 222

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Aus der Sprachgeschichte der Juden
Date
1919-02-10
Page
Seite 222 (sequence 2)
Language
German
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220 . , ........... .........• •................ ........... _ ■' vto sich tdie ebenfalls nordsemitisehe Sprache der Babylonier und Assyrcr als Schriftsprache hielt, während sie als Volkssprache in der aramäischen Flut ertrank. Laban, der Aramäer, ist sein nächster Verwandter. Mit seinen Angehörigen verschwägern sich Abrahams Nachkommen wiederholt. Die uralte Opferformel: ,?Ein aramäischer Beduine war mein Ahnherr", die bei der Darlegung der ersten Korbfrüchto vor dem Priester im Hoiligtumo gesprochen werden mußte, gibt zu donken. Die älteste Mundart der hebräischen Einwanderer dürfte daher vielleicht ungefähr in der Mitto des später geschiedenen Kena'anäisehen und Aramäischen gestanden haben. Das sind jedoch alles nur Vermutungen. Aber wio diese Sprache auch ausgesehen haben mag, welche die ältesten Väter des Stammes geredet haben, soviel ist sicher: Von dem Augenblicke an, wo das israelitisch-jüdische Volk auf eigenem Boden saß, haben sie die Sprache gesprochen und geschrieben, die wir unter dem Namon Hebräisch keimen, und die uns in der biblischen Literatur vorliegt,* In dieser Sprache ist in der ganzen Zeit, in der das Volk ein selbständiges Kulturleben auf eigenem Boden führte, gedacht und gedichtet worden. Sie war die Muttersprache der Könige und Propheten, des Hirten und des Bauern. Das älteste uns bekannte historische Gedicht in hebräischer Sprache, .«Iiis Lied der Debora, das die Heldentaten der kriegerischen Stämme feiert, und in dem des Stammes Jchuda nicht, gedacht wird, ist in unverkennbarem Hebräisch verfaßt worden. Und wie die ältesten Kämpfer um Israels Land, so redeten die letzten Helden auf Jerusalems Mauern und dichtete der letzte Sänger auf des Tempels Trümmern in hebräischer Sprache. Und wenn auch die Überlieferung manches Ungleiche in den Mundarten der Jahrhunderte ausgeglichen haben mag, soviel ist doch sicher, daß sich diese Sprache von ihren ersten Tagen bis auf ihre letzte Zeit verhältnismäßig recht wenig geändert hat. Ihr lapidarer Bau verträgt nicht die Abwandlung und Abschwächung. Ihre in früher vorhistorischer Zeit angenommene Eigenart der Dreikonsonantigkeit, bei der, bei unverändertem Konsonantenstamm, d(^r Vokal und konsonantische Vor- und Nachsätze die Gestaltung des Wurzelblocks bewirken, gibt der Sprache zugleich ein*- Stetigkeit, wio sie anderen Sprachstämmen weniger eignet. Sie hat etwas ungemein Kerniges. Ihr fehlt bei aller wunderbaren Ausdrucksfähigkeit die Biegsamkeit. Sie ist hart und unbeugsam und doch zugleich geschmeidig wie der Volksstamm, der den Jahrtausenden getrotzt hat. . Die Sprache ist sich natürlich nicht immer gleich geblieben. Weder die Schriftsprache noch die vom Volke gesprochenen Mundarten. Aber es ist trotz der Verschiedenheiten in der Stilart und im Wortschätzesehr schwer, die Linien zu zeichnen, in denen sich die Entwicklung bewegt hat. Obwohl uns gelegentlich ausdrücklich .von dialektischen . Verschiedenheiten in der Bibel erzählt wird, durch die die Stämme sich unterschieden, sind wir doch im allgemeinen darüber ununterrichtet. Dagegen können wir feststellen, daß auch nach der baby- . Ionischen Verbannung des Volkes die hebräische Sprache eine reine ge-

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