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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 218

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Das Werk Moses und seine Geschichte
Date
1919-02-10
Page
Seite 218 (sequence 18)
Language
German
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ai6 Weißheitslehrer, deren klassische Typen die Verfasser des kanonischen Üpruohbuches und Jesus Sirach Find, waren neben derji Priestern und den Theologen von Fach, den Sichriftgelehrten, der dritte führende Stand im geistigen Leben des älteren Judentums. Ihre Aufgabe war die religiös-sittliche Erziehimg der Jugend, besonders der vornehmen Jugend, durch Unterricht in der göttlichen Weisheit, d. h. der Lebensk u n s t, fromm und klug zugleich zu sc in. Ihre Bildungsideale waren demgemäß der fromme Mensch, der seinen Wandel vor Gott führt, in stetem Hinblick auf - das unabänderliche göttlich»« besetz der Vergeltung, und der kluge Mensch, der Mann des klaren praktischen Verstandes und der ruhigen ÜberLegung, der in allen Lebenslagen den rechten Weg zu finden weiß, um glücklich zu werden. Der Dualismus dieser religiös-ethischen und rationalen Lebensbetrachtung, wurde aber praktisch aufgehoben durch die religiöse Vertiefung des Weisbeitsb.egriffs in den einzelnen Persönlichkeiten dieser Jugend- Ichrer und Volkserzieher, wie Jesus1 Sirach beweist. Weisheit war für sie letzten Endes doch Gottesfurcht,, d. h. sittlicher Gehorsam in der religiösen Grundüberzeugung, daß alles Tun der Menschen dem geoffenbarten Wülen Gottes entsprechen muß und jederzeit an diesem Maßstabe gemessen wird. Klug und fromm, töricht und gottlos wurden identische Begriffe, und das Ziel der Weisheitslehrer war ganz auf religiös - sittliche Charakterbildung gestellt. Dadurch erscheint das intellektuelle Bildungsideal in einem reineren Lichte. Die Tugend ist zwar auch hier ein Wissen, aber •Quelle des Wissens ist in erster Linie das göttliche Gebot, erst in zweiter die menschliche Vernunft. Es bleibt auch der eudämonistische Grundzug der Frömmigkeit, der ja vom starren Vergeltungsglauben untrennbar ist: Der Gute empfängt den Lohn für seine guten Taten, .der Böse den Lohn der Strafe für seine Sünden. Aber diese Lohntheorie erhob sich bei den reiferen religiösen Charakteren, wie z. B. Jesus Sirach weit über die grob sinnlichen Vorstellungen der großen Masse von Gottes vergeltender Gerechtigkeit. Denn wichtiger als die Gewißheit, daß diese Gerechtigkeit Gottes jederzeit im Leben erfahren werden könne, war den . Weisheitslehren die fromme Überzeugung, daß der erstrebte Lohn der Tugend natürlicher und geistiger Art sein werde.1, irdische Freuden in Familie und Beruf, in Hau« und Arbeit, und zugleich geistige Freude im Gefühl der Gemeinschaft mit dem Gott der Liebe und Gnade. Die Tugendlehre mit dem Zentrum der Gottesfurcht, der Idee der Vergeltung und dem Lohngedanken, wie sie in der Lebensführung und in der mündlichen und literarischen Erziehungsarbeit der Weisheitslehrer zu einer praktischen Einheit verbunden waren, ließen freilich die tiefsten religiösen Bedürfnisse des Menschen unbefriedigt, weil sie vor den erschütternden Erfahrungen des Herzens, der erdrückenden Macht; des Sündengefühls und dem Empfinden der Gottesferne nicht zu schützen vermochten. Aber darüber darf nicht vergessen werden, daß von den Männern dieses moralistischen Religionsidcals Segensströrae auf das - voxehrääiche Judentumausgegangen sind. Die sittlich lebendige Frömmigkeit dieser Weisheitslehrer war das notwendige Gegengewicht

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