Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 9-12 (10.2.1919)
- Article
- Das Werk Moses und seine Geschichte
- Date
- 1919-02-10
- Page
- Seite 216 (sequence 16)
- Language
- German
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214 literarischen Ausdruck in dem von Esra geschaffenen Gesetzbuche gefunden, das durch Nehomias Autorität zur Grundlage der jüdischen nationalen Kultreligion geworden ist, der ToraMoses. Hier ist der energische Versuch gemacht worden, durch scharfe Bestimmungen der. sittlichen und kultisch-rituellen Forderung Gottes an Israel den Weg vorzuschreiben, den das Volk einhalten muß, um zum verheißenen Heil zu gelangen. Die religiöse Einstellung ist die Ezechiels: Religion ist praktisches Verhalten auf Grund des ethisch und kultisch normierton Willens, Gehorsam gegen Gott in williger Unterwerfung unter seine Gebote, in de/ien — wenn auch vielleicht oft unverständlich und schwer durchführbar — die religiöse Eigenart Israels' im Gegensatz zum Heidentum in die Erscheinung trat, und durch deren pünktliche Erfüllung das besondere Verhältnis Gottes zu Israel gewährleistet v/urde — also prophetische G e s i n nu n g s r e 1 ig i o n im Gewände der alten Kultreligion. Der Religjonshistoriker, der diese Erscheinungsform antik-religiösen Lebens objektiv beurteilen will, kann nur feststellen, daß das Judentum in seiner Mehrheit in diesem Verständnis der Religion innere Befriedigung gefunden hat/ Es wollte eine nationale Kultreligion mit Priestern und Opfern und heiligem Ritus sein und mußte es darum auch bleiben trotz der großen geistigen Kräfte, die es in seinem universalen Monotheismus, in der Harmonie von religiösem und sittlichem Leben und in der Reichgotteshoffnung hatte, Kräfte, die es doch innerlich über die Schranken einer völkisch-national und kultisch-rituell bestimmten Religiosität hinaushoben. Der Historiker darf aber subjektiv urteilen, daß sich in dieser Disharmonie der Mangel eines klaren einheitlichen religiösen Prinzips offenbart, durch das das bloß geschichtlich Regründete in dieser Religion, die alte kultische Praxis und die Riten und Zeremonien, die ja vielfach mit uralter religiöser Volkssitte identisch waren, mehr und mehr hätte in die Peripherie gewiesen bzw. ganz aufgelöst worden können, um den großen treibenden Kräften des religiösen Lebens, der Stärke eds Gotterlebens und der religiös vertieften Ethik, ganz die Herrschaft zu überlassen. b) Die R e 1 i g i o n als vernünftiger Gottes d i e n s t Im vollen Gegensatz zu der eben geschilderten Auffassung von der Religion, die schließlich durch die Arbeit der kirchlichen Theoretiker und Praktiker, der Theologen und der pharisäischen Eiferer, zur herrschen- ' den Richtung geworden ist, standen kleinere Kreise, die innerlich längst über die Formen der antiken Kultreligion hinausgewachsen waren und nun auch praktisch für reine Geistigkeit der Formen des religiösen ■Lobens eiferten. t Schon in der prophetischen Frömmigkeit beginnt sich die'innere Loslösung der Religion von den Formen des rituellen Kultus an zu bahnen. Die Kritik der Propheten an den Auswüchsen des kultischen Lebens der Volksreligion ist vielfach von einer Schärfe, die sich nicht .bloß aus dem sittlichen Zorn über das Unwürdige ihrer Riten und .Begehungen erklärt, sondern von dem Gefühl getragen ist, daß clor ganze