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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 215

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Das Werk Moses und seine Geschichte
Date
1919-02-10
Page
Seite 215 (sequence 15)
Language
German
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213 Ezechiel ist nicht der erst« gewesen, der die nationale Kultreligion Israel mit dem sittlichen Geiste der Prophetie zu durchdringen bestrebt war. Die Kreise, aus denen das sog. Douteronom'ium hervorgegangen war, prophetische und priesterliche. Elemente in Juda, hatten schon 100 Jahre früher versucht, durch Veredlung der kultischen Traditionen Jerusalems und sittliche Hebung der Massen sich dem geistigen Niedergange des Volkslebens entgegenzusteininen. Aber erst Ezechiels Forderungen sind durchgedrungen. Hinter ihnen stand der furchtbare Ernst der nationalen Katastrophe von 580 und das wiedererwacht»; religiös-sittliche Gewissen der Besten Israels, die ihjen Gottesglauben' und ihre Zukunftshoffnung durch die Stürme des geschichtlichen Lebens retteten, indem sie die vom prophetischen Ideal durchgeistigte Frömmigkeit an die alten Formen des Kultus- und Ritualgesetzes banden. So entstand aus der prophetischen Wirksamkeit des Priesters Ezechiel das J u d e n t u m. . r IV. D i e v i e r E r s c h e i n u n g s f o r in e n d e r R e l i g i o n des «Judentums Das Judentum verdankt seine politisch-nationale Wiederaufrichtung der weitsichtigen Politik und der religiösen Sympathie des Persers Kyros. Der sog. 2. Jesaja hatte ihn bei seinem Auftreten als Vollzieher des göttlichen Strafgerichts an Babel erkannt und als Heiland und Gottesstreiter begrüßt und die glänzenden Hoffnungen an seinen Siegeszug geknüpft. Aber was aus dem politischen und wirtschaftlichen Elend der Exilsjahre wiedererstand, war doch nur eine kümmerliche staatliche Neugründung, >*in kleiner Tributärstaat des persischen Weltreiches, mehr eine nationalkirchliche Gemeinschaft als ein wirklicher Volksstaat. Jn dieser Form, die immer nur als Angeld auf die Erfüllung der prophetischen Verheißung von der glänzenden Wiedergeburt des gezüchtigten Israel betrachtet wurde, lebte nun das auf Ezechiels priestcrlich-geistliclieii Ideen aufgebaute Volk ein trübes geschichtliches Dasein. Das Elend de-s äußeren Lebens aber wurde verschärft durch die quälende Erkenntnis, daß das große Gottesgericht nicht imstande gewesen war, die Sünde: mit Stumpf und Stiel auszurotten. Das naturhafte Heidentum schlug; bald wieder Wurzel im Fühlen und Denken und vor allein im religiösen Handeln der Massen, und die Schwere der Zeit samt der Enttäuschung über Gottes Wege mit seinem Volke erzeugten religiösen Skeptizismus und sittlichen Indifferentismus auch in den Kreisen der-Frommen. Sehen wir von diesen unerfreulichen Erscheinungen im Judentum«» der nachexilischen Zeit ab, dem heidnischen Aberglauben und massiven Gottesbegriff der niederen Menge, und von dem praktischen Atheismus der oberen Tausend, so lassen sich im religiösen Leben Israels in den fünf Jahrhunderten vor Jesus vier Strömungen unterscheiden: a) Die Religion als Gehorsam gegen das Gesetz Gottes in kultisch-rituellem Handeln. Diese Richtung, die wir nH Hauptströmung bezeichnen dürfen, hat ihren klassischen

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