Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 9-12 (10.2.1919)
- Article
- Das Werk Moses und seine Geschichte
- Date
- 1919-02-10
- Page
- Seite 214 (sequence 14)
- Language
- German
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212 f> der Religion. Das ist die prophetische Vergeistigung des alten mythisch, eschatologischen Schemas der Korrespondenz von Urzeit und Endzeit. Die Prophetie hat ihren religiösen Höhepunkt in der Persönlichkeit Jeremias erreicht In diesem größten Sohne des alten Israel hat sich die unbeugsame sittliche Energie eines Arnos und Micha und der heroische Gottesglaube eines Jesaja mit der religiösen Innigkeit eines liosea gleichsam zu einer harmonischen, Einheit verbunden. Jeremias Gottesorkenntnis führt über die Schranken der antiken praktischen Vorstellung von der Einheit und Uni v er sali tat Gottes hinaus bis an die Grenzen des begrifflichen universalen Monotheismus; seine Tganz geistig-sittliche Frömmigkeit mit ihrem tiefen Bedürfnis nach persönlicher Gemeinschaft mit dem heiligen Gott und mit ihrer unbedingten Wahrhaftigkeit gegen den bösen Trieb im eigenen Herzen nimmt die zentralen paulinischen Glaubensgedanken von dem .^Gesetz der Sünde" im Mensehen und dem Leben allein von Gottes vergebender Gnade vorweg, und seine Z u k u n f t s h o f f n u n g Vollender sich in dem Idealbilde des reuigen und mit seinem Gott versöhnten Israel, das JHVH in Geist und Wahrheit anbetet und ihm die Opfer sittlichen Gehorsams darbringt. Aber nicht Jeremia hat dem religiösen Leben Israels in den folgenden Jahrhunderten die Richtung gegeben, sondern sein Antipode, der Priester und Prophet E z c c h i c 1, ein Savonarola. in dem flammenden Ingrimm seiner Büß- und Gerichtspredigt an die verblendeten Zeitgenossen in der Heimat, ein. unermüdlicher Seelsorger unter den Exilsgenossen,, die unter den Schlügen des großen Gottesgerichte von 581» geistig zusammengebrochen waren. Man kennzeichnet die religiöse Persönlichkeit dieses seltsamen Measchen am besten, wenn man sagt, daß in ihm der Geist der Prophetie durch ein pri österlich es Medium und durch geschichtlich bedingte theologische Reflexion gebrochen erscheint. Aus den positiven rdigiös-sittlichen Forderungen, die er in seinen Büßpredigten aufstellt und aus dem kühnen theokratischen Programm für die Zukunft Israels, das er im Kap. 40—48 seines Buches entworfen hat» ersieht man deutlich, wie sehr das priesterlich-kultische Interesse ins Zentrum seines religiösen Empfindens und Denkens gerückt ist. Ezechiel kann sich das Verhältnis Israels zu JHVH in Gegenwart und Zukunft nur in festen kultischen und rituellen Formen vorstellen. Die Verletzung der Gott gebührenden Ehre durch Mißachtung der alten heiligen Kulturordnungen.des Tempeldienstes und der von den Ahnen übernommenen rituellen Sitte hat nach Ezechiels Urteil das Strafgericht ebenso herausgefordert, wie die religiöse Sünde des Abfalls zum Heidentum und dio sittliche Sünde der Vorkehrung aller Ordnungen des sozialen und gesellschaftlichen Lebens. Darum gehören nach ihm zum Inhalt des neuen Bundes Gottes mit seinem Volke nicht bloß die religiös-sittlichen ['fliehten des Dekalogs, sondern auch die Pflicht des Gehorsams gegen die göttlichen Lebensordnungen, die den Verkehr zwischen Mensch und Gott innerhalb und außerhalb des Heiligtums, wo er in seiner Majestät Thront,, regeln..