Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 9-12 (10.2.1919)
- Article
- Das Werk Moses und seine Geschichte
- Date
- 1919-02-10
- Page
- Seite 213 (sequence 13)
- Language
- German
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211 sondern größere Pflichten,, und darum auch die strengere Beurteilung der jeweiligen Stellungnahme des Volkes zu der ihm zuteil gewordenen religiös-sittlichen Offenbarung. Von Israel verlangt JHVH Aneikennung seiner göttlichen Souveränität durch williges Eingehen auf seine Forderungen und seine Ziele mit dem Volke. Gotteserkenntnis ist Ehrfurcht vor seiner Herrschermacht und seiner sittlichen Heiligkeit in harmonischer Verbindung mit Gehorsam gegen seine Gebote, und zwar in freier Entscheidung für JHVH als das Gute und die Quelle alles Lebens. Ehrfurcht, Gehorsam und Liebe ist der Grundakkord der von den Propheten geforderten Frömmigkeit, in der Religion und Sittlichkeit den engsten Bund geschlossen haben. 2. Gemeinsam ist allen Propheten die Hoffnung auf eine bessere Zukunft Israels. Sie ist die notwendige posit.ivo Ergänzung der Gerichtsverkündigung. Ohne diese Hoffnung wäre der Mahnruf dieser Männer und ihr Richten und Schelten geistiger Selbstmord gewesen. Die prophetische Zukunftshoffnung knüpfte aber an an die auch in der Volksreligion längst vorhandene eschatologisehe Erwartung, die von dem Eintreten Gottes für sein Volk gegen dessen Feinde und von einer glänzenden politisch-nationalen Zukunft Israels unter einem von JHVH gesandten siegreichen Herrscher t räumte. Diese ganz auf materielle Segnung und auf Erfüllung naiional- «'goistischer Wünsche gerichtete Messiashoffnung hat nun die Prophetin mit dem Edelgehalt ihrer rein sittlichen Frömmigkeit erfüllt. Dabei hat sie freilich die enge geschichtliche Verknüpfung dieser überkommenen cschatologischcn Erwartung mit dem nationalen Leben ihres Volkes bestehen lassen. Auch diese Glaubensidee hat, je nach der religiösen Individualität des Propheten und der besonderen historischen Situation seiner Wirksamkeit, verschiedene Ausprägungen gefunden. A 11 e Propheten leben des Glaubens an einen Rest Israels, der aus dem Gericht, hervorgeht, als Bürge und Träger der Verwirklichung der Heilshoffnung. Das ist der „heilige Rest", von dem Jesaja einmal spricht. Alle haben sie die Überzeugung, daß diese sichtbare Welt und im besonderen Israels Land, und hier1 wieder das religöse Zentrum , Jerusalem, der Schauplatz der Verwirklichung der Zukunftshoffnung sein wird, und <laß ein Glied der alten Davidischen Dynastie im Mittelpunkte des neuen Israel der Hellszeit stehen wird. Und endlich: alle leben sie <lcs Glaubens, daß das Kommen der Heilszeit die geistige und materielle Segnung Israels im Gefolge haben wird und daß diese Heilszeit mit allen ihren Gütern und Gaben letztlich eine Wirkung der Gnad," und Liebe Gottes ist. Die notwendige Vorbedingung dazu aber ist B u ß f e r t i g k e i t und lebendiges Hcilsverlan g e n des Restes Israels das aus dein großen Läuterungsgericht hervorgehen soll. Die Heilszeit läßt also das in der Gegenwart so schmerzlich vermißt«* Ideal des Gottesvolkes, das in Glaube, Gehorsam und Liebe fest mit seinem Gottc verbunden ist, in die Erscheinung treten und führt damit die geistige Entwicklung Israels aus der Nacht des Heidentums und der Sündenknechtschaft zurück zu den idealen Anfängen der Gründungszeil.