Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 9-12 (10.2.1919)
- Article
- Das Werk Moses und seine Geschichte
- Date
- 1919-02-10
- Page
- Seite 212 (sequence 12)
- Language
- German
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210_ ........._ sich selbst, wenn menschliche Schwäche ihren heiligen Beruf, Zeugen Gottes-zu sein, zu stören droht oder die Erfolglosigkeit ihrer Missionsarbeit ihren Glauben zu schänden werden läßt. Und dann und wann, in Stunden höchsten Gotterlebens, lüften sie den Schleier der Zukunft und'lassen ihre Jünger einen Blick tun in Gottes Ratschluß mit Israel und der Menschheit ,In alledem! aber sind sie nach Naturanlage, Charakter und 'Stand ganz verschieden, jeder eine in eich geschlossene,' charakteristische, religiöse und dichterische Persönlichkeit. Hier steht in gemeinsamer Arbeit am Gottesreich der Städter neben dein Bauer, der Priester neben dem Laien, der adlige Hofmann neben dem schlichten Bürger, der Willensharte neben dem zarten Gemüte, der Ruhige und Geistesklare neben dem Nervösen und Ekstatiker. Und trotzdem hören wir aus ihren Worten dieselben Ideale, eine gemeinsame Vorstellung von Gott, seinem Wirken in den Stürmen des Weltgeschehens und seinem Vorhaben mit Israel, und eine gemeinsame Hoffnung für die Zukunft Darin enthüllt sich uns der gemeinsame Glaubensgrund, auf dem das religiöse Leben dieser Großen Israels bei aller persönlichen Verschiedenheit sich aufbaut: es ist der Grund, den Mose, der Prophet ohnegleichen, gelegt hat, mit der Gottesoffenbarung, der er gewürdigt worden war. 1. Gemeinsam ist allen Propheten die Forderung, daß das staatliche, soziale und gesellschaftliche Leben des Volkes aufgebaut sein muß auf rückhaltloser Anerkennung und Verwirklichung der Idee der Gerechtigkeit. Ohne richterliche Gerechtigkeit, die kein Ansehen der Person kennt, und ohne soziale Gerechtigkeit, die dem Schwachen den staatlichen Schutz gewährt gegen das überhandnehmende Ausbeutertum der Großen und gegen die Willkür der regierenden Kreise, ist auf die Dauer kein geordnetes Staatsleben möglich. Aber auch nicht ohne ehrliche, von sittlichen Ideen geregelte Politik, die die wahren Interessen des Volksganzen im Auge hat unter Abweisung aller Sonderinteressen von Parteien und Gruppen und unter Ausschaltung aller bloß auf Macht und Ruhm bedachten nationalen Ziele. Wo diese, aus der Idee des allgemeingültigen Sittlichen fließenden Grundgebote des politischen und sozialen Lebens mißachtet werden, ist die Anarchie und der Ruin des Volkslebens die notwendige Folge. Diese Grundgebote aber werden zu religiösen Forderungen, indem die Idee der Staat und Gesellschaft bildenden und erhaltenden Gerechtigkeit als göttlicher Wille an Israel erfaßt wird, d. h. als in JHVH's heüigem Wesen begründet und in seiner Offenbarung an Israel von jeher und für jeden vernehmbar, festgelegt. Gemeinsam ist also allen Propheten auch das religiöse Priiizip. Für sie alle ist JHVH die absolute Macht in Natur und GeT schichte, die höchste geistige Potenz im Weltgeschehen, deren Wesen sittliche Heiligkeit ist. Er ist der Herr der Welt und der Heilige, der sie nach seinen ewigen sittlichen Ordnungen lenkt und höchsten ethischen Zielen zuführt. JHVH's besondere Beziehung zu - Tsrael hat .zur notwendigen Folge nicht größere Rechte dieses Volkes,