Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 9-12 (10.2.1919)
- Article
- Das Werk Moses und seine Geschichte
- Date
- 1919-02-10
- Page
- Seite 211 (sequence 11)
- Language
- German
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209 Gnadenwahl JHVH's unwürdig bewiesen hat. Elia seibat organisiert auf göttlichen Befehl das Gericht über das entsittlichte Königshaus, das das Gewissen des Volkes verwirrt hat. Das ist prophetische Frömmigkeit, die nichts wissen will von Vor. rechten Israels ohne sittliche Energie im Erweis der Würdigkeit solcher Stellung des Volkes, und die vor Königsthronen dieselbe Sprache führt Ho vor dem gemeinen Mann., Der Unterschied zwischen Elia und den großen prophetischen Religiösen der Folgezeit ist also nicht prinzipiell sondern nur graduell. Er entspricht der geringeren Weite des politischen Horizonts, den Israel im 9. Jahrhundert hatte, wo es in verhältnismäßiger Ruho sein kleinstaatliches Dasein führte, im Kleinkampi mit den nächsten Nachbarn und im inneren Bruderzwist seine Kräfte zersplitternd, Ein Jahrhundert später steht Israel vor ganz anderen politischen Aufgaben. Die alte Weitmachtsidee hat plötzlich wieder Gestalt gewonnen in dem erneuten Aufschwünge des assyrischen Militärstaats, der sich anschickt, unter dem Regiment despotischer Willensmenschon von unbeugsamer Energie und brennendem Ehrgeize das Erbe der alten babylonischen und ägyptischen Weltherren anzutreten. Dieser assyrische Imperialismus, der 200 Jahre die Welt in Schrecke* setzte, drängte rücksichtslos zum Westmeere und fegte dabei die syrischen Kleinstaaten auf der Völkerbrücke zwischen Ägypten und Vorderasien wie Spreu hinweg. Für die israelitische Reichsherrlichkeit war die Gefahr, in dem Strudel der Weltflut unterzugehen, doppelt groß. Der religiös-politische Machtdünkel des Volkes, durch kleine Augenblickserfolge gesteigert, stand im umgekehrten Verhältnis zu der Größe der von Osten drohenden politischen Gefahr, und in Wirklichkeit war er nichts als unsittlicher Aberglaube, die taube Frucht an dem Baume des seines geistigen Gehalts entleerten Erwählungsglaubens Israels. liv machte blind gegen die politischen Schäden des inneren'Zwiespalts und den sittlichen Niedergang in den Massen wie bei den Regierenden. Das war die Stunde, wo die Prophetie aufstand, um das Gottesvolk zu retten. Wie Sturmvögel vor dem Ungewitter erseheinen die Propheten, zunächst im Nordreiche, dann auch in dem gleichfalls gefährdeten Südreiche. Und durch fast 200 Jahre begleiten sie das Schicksal Israels mit ihren -Mahn- und Strafreden und ihren tröstenden Hcilsverkündigungen. Sie waren dio Stimme des Gewissens, das sich regte, ehe noch dio Sünde ganz die Oberhand gewann, aber sie waren auch die Träger des Glaubens und Höffens des besseren Teiles Israels, des Glaubens an Gottes Treue und Liebe mit diesem Volke, die auch im Strafgericht nicht den höheren Zweck vergißt^ und der Hoffnung auf die künftige Herrlichkeit Israels nach dem Gericht. Die Propheten von Arnos bis zu Ezechiel und dem sogenannten 2. Jesaja haben kein theologisches System aufgestellt, sondern erschütternde innere Erlebnisse in Dichtungen von hinreißender Kraft der Sprache ausgesprochen. Sie lehren und predigen auch nicht im modernen Sinne, sondern sie ringen in heißem Kampf um die Seele des Volkes, an dem ihr Herz mit Liebe hängt, Sie ringen wohl auch mit