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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 210

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Das Werk Moses und seine Geschichte
Date
1919-02-10
Page
Seite 210 (sequence 10)
Language
German
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205 , Die Bannerträger und Wortführer in diesem Kampfe für da* geistige Prinzip der Mosereligion sind die Propheten Israels, gewesen. Aber wir dürfen nicht bloß an die alttestam. Schriftpropheten denken, sondern müssen bedenken, daß diese Großen Israels, die mit ihren eigenen Worten zu uns sprechen, auf den Schultern einer großenprop hotischen Vergangenheit gestanden haben. Die prophetische Tradition ist seit den Tagen Moses nicht abgerissen', vielmehr muß es in allen Perioden der nachraosaischen Entwicklung Israels große Religiöso gegeben haben, dio für die Einzigartigkeil IHVITs und dio Reinheit des Glaubens und Kultus geeifert und sich den ungeistlichen Mächten, die Israels Seele zu. erobern trachteten, cnU gegengestommt haben'. Die großen' Schriftpropheten haben das wohl gewußt und gelegentlich Zeugnis davon abgelegt, daß sie Vorgängor im Kampfe für IHVH gehabt haben. Aus der spärlichen Überlieferung, die uns im' Alten Testament aufbewahrt ist, ragen nur wenige Gestalten dieser älteren prophetischen Kreise so hervor, daß wir uns ein Bild von ihrem Wesen und Wirken machen, können. Am mächtigsten die Gestalt Elias des Thisbiters. Sein Bild hat die Überlieferung in der verklärenden Form der Heldensage festgehalten, aber trotzdem in geschichtlicher Treue. In diesem Manne faßte der Geist der mosaischen Religion alle seine lebenschaffenden Kräfte zusammen zum rücksichtslosen Kampfe gegen die religiöse und sittliche Barbarei des heidnischen Naturkults der Baalreligion. JHVH ist für Elias ohne Einschränkung der Gott der sittlichen Heiligkeit und darum der Gott des Gerichts über die Sünde im eigenen Volke. Klar und scharf hat Elia in seiner Kritik den religiösen und sittlichen Krebsschaden seiner Zeit herausgestellt: das schwächliche Paktieren der berufenen Leiter und Hüter des Volkes mit den heidnischen unsittlichen Mächten der Naturreligion, die Israels religiöses Leben vergiften, und die Zuchtlosigkeit des Königshauses, das in frivolem Eigenwitz die Strenge der sittlichen Forderung Gottes mißachtete und so dio othischen Fundamente von Staate und Gesellschaft untergraben hat. Elias Kampf für JHVH gegen dio Baalo ist viel mehr gewesen als wie man gemeint hat, der Protest gegen fremden Kult zugunsten der nationalen Religion. Es war ein Kampf für die Wahrheit der geistigen Religion gegen die Lüge des blöden Naturdienstes, der Kampf für die sittlichen Kräfte Israels zur Selbstbehauptung in der Geschichte gegen die Entnervung durch Hingabe an den Dienst geistloser und blinder Gewalten in der Natur. Mit Recht hat man gesagt, daß es im tiefsten der Kampf für die sittlichen Rechte und Freiheiten des Menschengeistes . gegen den bloßen Sinnenkult war. In Elia wurde der von Mose verkündete JHVH wieder lobendig, der sich Israel in Gnade erwählt hatte zur Durchsetzung seiner höchsten sittlichen Zwecke in der Geschichte und der mit diesem Volke verbunden war auf Liebe und Treue hin in Bewährung sittlichen Gehorsams, also nicht durch natürliche unzertrennliche Bande. Darum leuchtet auch in Elias Glauben die Idee, dös göttlichen Strafgerichts so hell auf, das vor I&raels nationaler und politischer Existenz nicht haltmacht, . wenn es sich der

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