Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 9-12 (10.2.1919)
- Article
- Das Werk Moses und seine Geschichte
- Date
- 1919-02-10
- Page
- Seite 209 (sequence 9)
- Language
- German
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__________.....___________........................._....._ _............___________......_.......^ __??7 mcrziura und weichen mächtigen Eindruck die alte Kultur der Kananäer auf die Phantasie der geschichtlich jugendlichen Erobererscharen machen mußte, so bekommen wir ein anschauliches Bild von dem verhängnisvollen Umbildungsprozeß, dem die JHVH-Religion der Hebräer in Kanaan mit innerer Notwendigkeit unterworfen wurde. Das Alte Testament hat dafür die. klassische Formel gefunden, wenn es immer wieder klagt, Israel habe JHVH verlassen und habe den Bahlen gedient „auf jedem hohen Berge und unter jedem grünen Baum". 3. Es kommt aber noch ein weiteres Ferment der Entwicklung hinzu, wir nannten es die Einflüsse der nationalen Leben s. m ä c h t e. Wir deuteten bei der Charakteristik des Werkes Moses schon an, daß er nicht bloß der Prophet einer neuen Religion gewesen ist, sondern zugleich der Schöpfer Israels als Volksgemeinschaft, Die religiöse und die völkisch-nationale Neugründung sind in seinem Werke untrennbar verbunden gewesen. Und das Mit- und Ineinander von nationalem und religiösem Eigenbewußtsein ist das Merkmal der Religion Israels durch seine ganzo Geschichte geblieben bis auf den heutigen Tag. Israels religiöser Geist lebte von Anfang an in einem völkisch-nationalen Körper. Nun lag es in der Idee der neuen von Mose verkündeten Religion, daß das materielle Prinzip dem geistigen dienen sollte, nicht umgekehrt. JHVH war Israels, der geschichtlichen Gemeinschaft, Gott geworden, um in ihr und durch sie seine Weltherrschaft in die Erscheinung treten zu lassen. Das war der Sinn von Israels Erwählung aus der Völkerwelt. Aber die geschichtlich-politischen Kräfte, die Israel in etwa drei Jahrhunderten zur Höhe einer orientalischen Großmacht emporhoben, waren stärker als die religiöse Idee. Israel fühlte seine physischen und politischen Kräfte wachsen und schuf sich mit neuen Zielen innerhalb der politischen Umwelt neue Ideale, die nun auch die Ideale seines Gottes sein sollten. Das national-politische Selbstbewußtsein überwucherte das religiös-sittliche und lenkte Fühlen und Denken des Volkes auf Wege, die von Gottes Plänen mit Israel wegführten in die Niederungen des politischen Materialismus und der bloßen Machtgier. Kurz, was Form und Träger der höheren Idee sein sollte, wollte Inhalt und Selbstzweck werden. Und es wurde Selbstzweck, und JHVH wurde der Garant dafür, und zwar um so mehr, je mehr der Verfall der geistigsittlichen Kräfte der Nation zunahm, bis das staatliche Leben des Volkes in soziale Anarchie und politischen Chauvinismus ausartete und so sich selbst das Grab grub. Das also sind die dämonischen Mächte, mit denen das prophetische Werk Moses zu ringen hatte. DerKampf zwischen der prophetischen Idee, die mit der ihm zuteil gewordenen ■Gottesoffenbarung in die Erscheinung trat, und •den natürlichen Trieben und Begehrungen der national geformten Bekennerschaft JHVH's ist der -Inhalt der Geschichte der Mo s e s re 1 i gi o n..