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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 208

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Das Werk Moses und seine Geschichte
Date
1919-02-10
Page
Seite 208 (sequence 8)
Language
German
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206 2; Die Einflttsße'der^synkretißtischen Naturreligion Kanaans.4) Zum Verständnisses Folgenden eine kurze Notiz über die religiöse Kultur Kanaans im 2. Jahrtausend: Die durch Mose geeinten hebräischen JHVH-Bekenner kanten als Eroberer in ein Land «titer und verhältnismäßig hoher Kultur. Für diese war charakteristisch die Mischung aus verschiedenen Elementen: über die Reste einer vorgeschichtlichen Kultur hatte sich zunächst im 3. Jahrhundert die älteste semitische Schicht der Kananäer mit ihrer Eigenkultur' gelagert. Dazu strömten dann von den drei großen Kulturzentren des alten Orients Babylon ien, Ägypten und Kleinasien neue teils verwandte, teils heterogene Kräfto ein. Kanaan war also zur Zeit der hebräischen Wanderung ein Land dos Völkergewirrs und der Kulturmengung, deren Grundton babylonisch war- Für die religöse Kultur ergibt sich daraus, daß sie eine Mischung von Prähistorischem, Kananäischem und Babyloniseh-Ägyptisch-Hetitisehem war. Und diese einzelnen Elemente haben sich in bestimmten religiösen Erscheinungsformen mehr oder weniger deutlich durch das ganze 1.. Jahrtausend lebendig erhalten, in dem Kultus von Steinidolen. (Masseben, Gilgal, Kromlechs), in der Verehrung der zeugenden Naturgötter, besonders des anirnaien und vegetativen Lebens (Isis-Jstar), in dem Kultus astraler Gottheiten (Samas) u. a. Der Grundzug dieses polyteistischen Synkretismus scheint die Verehrung der Leben schaffenden und zerstörenden Naturmächte gewesen zu sein. Er war also eine sinnlich kräftige Naturreligion, in der das Geheimnis des physischen Lebens in Zeugung, Geburt und Tod die Hauptrolle spielte. Man kann nach der alttestamentlichen Überlieferung sagen,-daß diese regiliösen Triebkräfte der ganzen Entwicklung des religiösen Vorstehend und Empfindens in den Massen die Richtung gegeben haben. Daher stammt der orgiastische Zug in dieser Religion, daher das Hierodulenwesen und dio heilige Prostitution, dalier das dualistische Prinzip der Gottesvorstellung und ihre Zersplitterung in lokale Numina eng begrenzter Wirksamkeit. Von da aus sind auch die charakteristischen Merkmale des kanadischen Kultus nach Ort, Kultrequisiten, Zeit und Leistungen zu verstehen. Hier hat aber auch eine der für die Folgezeit wichtigsten Äußerungen des religiösen Gefühls seinen Ursprung gehabt: die ekstatischorgiastische Mystik des alten volkstümlichen P r o p h e t e n t u m s, die dem sinnlichen Verlangen nach Vereinigung mitteler Gottheit zwecks übermenschlicher Kraftieistungcn (Zukunftsschau) diente. Nehmen wir das unter 1 und 2 Gesagte zusammen und erwägen - wir, wie vielfach und stark die Berührungen zwischen den treibenden Kräften im religiösen Leben der kananäischen Bevölkerung und den unüberwundenen Resten alter semitischer Naturreligion und Dämonenfurcht bei den einwandernden Hebräern waren, wie eng der Zusammenschluß der Eroberer mit den Unterworfenen im Konnubium und Korn» *) Vgl. hierzu Böhl „Kananaeer und Hebraeer". Leipzig- 1911.

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