Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 9-12 (10.2.1919)
- Article
- Das Werk Moses und seine Geschichte
- Date
- 1919-02-10
- Page
- Seite 207 (sequence 7)
- Language
- German
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205 Zwei religiöse Lebensgebiete kommen dafür zunächst in Betracht: 1. religiöse Gefühle, Vorstellungen und Handlungen, die die "hebräischen Stämme aus ihrer Vergangenheit mitbrachten und in der JHVH-Religion mitschleppten; wir nennen sie unüberwundene Reste ältesten semitischen Heidentums naturrcligiöser Art; 2. rcligiöso Gefühle, Vorstellungen und Handlungen, die Israel aus der Kultur Kanaans in jahrhundertelangem Zusammenleben mit der unterworfenen Bevölkerung aufnahm und mit dem mosaischen JHVH- Glauben und Kult verband; wir nennen sie Einflüsse der synk re t is ti sch c n N a t ur r e 1 i gi o n Kanaans. Dazu kommt nun aber noch als bestimmender Faktor in der Entwicklung der Volksreligion 3. der Einfluß der nationalen und politischen Lebensmächte auf das religiöse Empfinden und Vorstellen Israels in der nachmosaischen Zeit. Von diesen drei dämonischen Mächten, die das Werk Moses zu /zerstören drohten und für die'Masse des historischen Israel auch wirklich zerstört haben, zunächst ein paar Worte: 1. Die unüberwundenen Reste ältesten semitischen Heidentums treten in der Überlieferung des Alten Testaments in verschiedenen Formen zutage:"11) a) als Nachwirkungen primitiver naturreligiöser Vorstellungen von der Gottheit und entsprechenden Kulthandlungen und Riten; dahin gehört z. B. die Vorstellung von JHVH als Berg- und Vulkangott, die ' Verehrung heiliger Quellen, Bäume und Steine, der Schlacht- und Blutritus u. a.; b) als Reste astralreligiöser Vorstellungen, speziell des Mondkidtus, vgl. Sabbat, Neumond, Passa (Vollmond); c) als Reste dämonischer Vorstellungen urältester . Herkunft und der damit verbundenen Tabu-Vorstellung und Zauberhandlung, vgl. die Menge böser Geister, die das Alte Testament' kennt (dämonische Tiere, Wüstenkobolde, Krankheitsdämonen u. a.), Totengeistcr und das Gebiet des primitiven Seelenglaubens; d) als Reste uralten Stammes- und Geschlechterkultus (Toten- und Ahnenkult und der damit zusammenhängenden Riten wie Besch ncidung, Kultmarken, Haar- und Kleidertrachten; e) als Reste von Magie und Zauberglauben in Verbindung mit primitivem Geisterglauben, so z. B. Gebrauch von Amuletten als apotropäischer Mittel, mantische Künste verschiedener Art, Glaube an Omina und Kunst ihrer Deutung; f) als Reste blutiger Sühncriten und Weihezeremonien uralter Herkunft (verschiedene Arten von Menschenopfern und Nasiräat!).' *) Über diese Erscheinungen der niederen Volksreligion vgl. jetzt J i r k a ^Materialien zur israel. Volkreligion". Leipzig 1914.