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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 205

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Das Werk Moses und seine Geschichte
Date
1919-02-10
Page
Seite 205 (sequence 5)
Language
German
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203 raus, ja zu Ansätzen eines abstrakten, begrifflichen Monotheismus er. hoben, und weite Kreise der Frommen in beiden Kulturreligionen haben praktisch einem affektiven Monotheismus .gehuldigt. In den Zentren der geistigen Kultur des alten Orients, die die vormosaischen Hebräer umgab, stiebte die Gottesvorstellung von der Vielheit zur Einheit, von der lokalen und geschichtliehen Beschränkung zur Universalität empor. Aber freilich muß dazu bemerkt werden, daß sie, auf das Ganze gesehen, an keinem Punkte die primitive, polytheistisch-naturhafto Grundlage ihres religiösen Empfindens und Vorstellens wirklich überwunden hat. Endlich ist als geschichtlich bedeutsame Tatsache festzustellen, daß im Gesamtbereiche der höheren semitischen Religionswelt die Gottheit mit einer gewissen Ausschließlichkeit als Macht und Herrschaf tswill e empfunden und erlebt wurde und daß die großen Götter sich von ihrer ursprünglichen naturhaften Grundlage loszulösen beginnen, um zu D e i f i z i e r u n g e n sittlicher Eigens c h a f t e n zu werden. Mithin ist der Schluß berechtigt, daß der alte, von den Hebräern vor Mose neben andern Göttern, verehrte Gott JHVH religionsgeschichtlich in die Gruppe der universalen summi d e i gehört, deren Wesen durch Macht, H e r r s c h a f t s w i 11 e n Iii n d sittliche Eigenschaften bestimmt <\v a r. Zusammenfassend ist also zu sagen: Mose hat nicht einen neuen Gott verkündet, sondern eine neue Vorstellung von dem uralten Gott JHVH. Den hatten die hebräischen Stämme seit langem schon als eine Art Summus Deus, als Himmelsgott und höchste göttliche Kraft des Wollens und der Herrschermacht verehrt, und bereits vor Mose hatte die Idee des Sittlichen in dieser göttlichen Willensmacht begonnen, die alte naturhafte Grundlage und den mythologischen Polytheismus zu überwinden. Aber erst Mose hat er sich nach der Größe seiner weltumspannenden Macht und seiner geistigen Art erschlossen. Der Inhalt des Werkes Moses ist also gewesen, daß er JHVH grundsätzlich als Weltgott und überweltliche sittliche Persönlichkeit erkannt und durch seine Befreiungstat in das religiös-nationale Bewußtsein und Wollen der Hebräer eingeführt hat. Damit hat er ihrem gesamten geschichtlichen Erleben eine einzigartige Kraft, eine ganz neue Richtung und ein höchstes sittliches Ziel gegeben. Und damit ist der 0 f f e n ba r u n g s c h ar a k t e r der mosaischen Religionsstiftung fest bestimmt und umschrieben: Die Offenbarung Gottes an Mose ist die grundsätzliche Überwindung der Naturreligion' durch die Geschichtsreligion. Sie setzte an die Stelle der uralten Vorstellung der in den Naturerscheinungen verkörperten Gottheit und der naturhaften Beziehungen zu ihr die Vor- Stellung der transzendenten Gottheit, die sittliches Wollen ist und die darum mit den Menschen durch die Mittel des geschichtlichen Ericbens in direkte sittliche Beziehung tritt.

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