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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 204

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Das Werk Moses und seine Geschichte
Date
1919-02-10
Page
Seite 204 (sequence 4)
Language
German
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Ä02 Die religionsgeschichtliche Forschung darf darum der schwierigen Frage nicht ans dem Wege gehen, welches die geschichtlichen Voraussetzungen der mosaischen Roligionsgründung gewesen sind. Diese Frage ist selbstverständlich, wie alle Probleme des geistigen Lebens jugendlicher und halb geschieh tsloser Völker, nur annähernd zu beantworten, aber der Versuch darf gewagt werden, sofern man sich nur des Hypothetischen bewußt bleibt, nur streng auf das historisch Erkennbare beschränkt, also das religiöse und religionspsychologische Problem des zentralen OfTenbarungsvorgangcs beiseite läßt Der ist als irrationaler Faktor des Lebens dem geschichtlichen Erkennen entzogen und kann nur phänomenologisch bewältigt v/erden. Was nun zu der eben gestellten Frage zu sagen ist, soll hier in aller Kürze zur Sprache kommen. Es handelt sich um zwei verwandte religiöse Vorstellungsgebiete, die zum geschichtlichen Verständnis der mosaischen Religionsgründung beitragen können: Wir fragen: 1. liegen in der Gottesvorsteilung der hebräis c h e is Stämme vor Mose Ansatzpunkte für die von Moses gewonnene Gotteserkenntnis? Darauf können wir mit einem unbedingten Ja antworten. Wir haben in der sagenhaften Überlieferung über Israels vornationales Leben Erinnerungen, die zu dem Urteil berechtigen, daß schon die Hebräer vor Mose eine höhere Vorstellung von dem Gott JHVH hatten, der von Urzeiten her bei ihnen neben andern Göttern verehrt worden ist. Dieser Gott JHVH muß mehr gewesen sein als der Name verrät, der als Appelativum einen Sondergott nach einer bestimmten Tätigkeit oder Eigenschaft bezeichnet, aber auch mehr als die vielen von ihm ausgesagten Beziehungen zu völkergeschichtlichen Gruppen und zu Naturerscheinungen erkennen lassen. Er muß ein hoher Himmelsgott gewesen sein, eine Art summus Deus in einem Pantheon, der über die reine. Naturbezogenheit bereits hinausgeschoben war; 2. liegen in der religiösen V o r s t e M u n g s w e 11 der Kulturvölker, mit denen die Hebräer vor Mose in geistiger Berührung gestanden'haben, Ansatzpunkte für die von Mose gewonnene Gotteserkcnntnis? 2) ' Auch diese Frage kann mit J a beantwortet werden.* Die altorientalische Religionsgeschichte zeigt uns verschiedene parallele Aufwärtsbewegungen aus der Enge der Verehrung lokaler Numina zur Weite der Anbetung großer umfassender Göttergestalten und .aus der Beschränktheit. eine3 zusammenhanglosen vielgestaltigen Götterhimmels zur geistigen Höhe einheitlicher monarchischer Zusammenfassung der Welt des Göttlichen. Die babylonische und ägyptische Religion haben sich im 2. Jahrtausend im'Denken ihrer geistigen Führer zu solarem Monotheisa) Vgl.- hierzu die scharfsinnige Behandlung des Problems durch Hehn „Biblische und Babylonische Gottesidee". Leipzig 1913.

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