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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 203

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Das Werk Moses und seine Geschichte
Date
1919-02-10
Page
Seite 203 (sequence 3)
Language
German
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20t wählung gerade dieser Gemeinschaft zu besonderen sittlichen Zwecken, und das Eingehen seiner Verehrer auf diese seine Zwecke, also ihr sittlicher Gehorsam im Gefühl der überwältigenden geistigen Kraft Gottes. Damit ist gegeben, daß es in dieser Religion prinzipiell unmöglich ist, die Störung des rein sittlichen Verhältnisses zwischen Gott und Volk durch außersittliche Mittel zu beseitigen, etwa durch Opfer ohne entsprechende Gesinnung oder durch Askese. Auch Ekstase und Enthusiasmus haben hier von Haus aus keinen Platz. Auf JHVH kann man nicht durch unsittliche Mittel einwirken, sondern nur durch Gebet und Fürbitte, und JHVH kann auch nicht in den Dienst seiner Verehrer gezwungen werden durch magische Kräfte. Es ist mit Recht gesagt worden, daß sich in dieser Erkenntnis die mosaische Religionsideo zu absoluter Höhe erhebt: sie setzt prinzipiell den Unterschied zwischen wahrer Religion und naturhaft-magischem Heidentum. Mose hat der Religion Israels für immer den Stempel der Geistigkeit aufgeprägt, Sie ist die Religion des sittlichen Wollens im Gehorsam gegen die Forderungen des innerlich überwältigenden heiligen Gottes. Sie verknüpft also von Anfang an Religion und Sittlichkeit zu einer Einheit des Empfindens und Handelns. Die Träger und Helden dieser Religion sind religiöse Willensmenschen, die um sittliche Ideale kämpfen. Sie will das 'ganze Leben ihrer Bekenner unter sittliche Forderungen zwingen. Darum muß sio notwendigerweise oxklusiv sein. Das ist die Kehrseite ihrer ungeheuren geistig-sittlichen Energie. JHVH's Heiligkeit duldet keinen Diens' anderer Mächte. Sein Wille allein herrscht in Israel. Nur wenn die Gottheit von vornherein mit dieser sittlichen Intensität und religiösen Exklusivität als innerlich überwältigende und alles beherrschende Macht erfaßt worden ist, begreift man die ungeheure Kraft in. der Aufsaugung und Umprägung naturreligiöser Elemente, die die JHVH-Religion im Laufe ihrer Geschichte bewiesen hat. Sie hat wohl zeitweilig aufs stärkste vom Heidentum niederer und höherer Art beeinflußt werden können, aber sie ist nie darin untergegangen. b) Für die geschichtlich-psychologische Betrachtung des Phänomens der mosaischen Religionsstiftung ist es selbstverständlich, daß die Gottesvorstcllung, die? Mose durch OfTenbarng gewonnen hat, in der vormosaischen Religion der hebräischen Elemente Anknüpfungspunkte hatte. Denn es steht doch so, daßkjede große religiöse Bewegung dem Gesetz zeitgeschichtlicher Bedingungen unterworfen ist. Sic hat ihre Voraussetzungen in äußeren und inneren Bewegungen der Kulturwclt, deren Kind die neue, religiöse Werte schaffende Persönlichkeit des Stifters ist. Vonjhr löst sie sich in der ihr eigenen schöpferischen Kraft, um über sie hinaus zu führen zu einem tieferen Verständnis der Gottheit. Aber dieser Prozeß der Aufwärtsbewegung vollzieht sich nicht sprunghaft unter völliger Verleugnung jener gegebenen geschichtlichen Grundlage, sondern so, daß die höheren Kräfte, die in ihr zum Lichte ringen, von dem großen Religiösen zur Entfaltung gebracht werden.

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