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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 202

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Das Werk Moses und seine Geschichte
Date
1919-02-10
Page
Seite 202 (sequence 2)
Language
German
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2oo nahen und von ferne ihre geistige Größe schauen; nur die Ahnen Israels ließ» sie den dritten Weg zum Geheimnis ihres Wesens finden, indem sio sich ihnen durch Mose als unentrinnbare Macht und geisti - ger Wille im Weltgeschehen offenbarte. a) Bei dem Mangel an direkten geschichtlichen Zeugnissen über den Inhalt der neuen, von Mose verkündeten Gottesvorstellung sind wir darauf angewiesen, ihn auf indirektem/Wege zu erschließen. Wir müssen auf die geistigen Wirkungen achten, dio von Moses Werk ausgegangen sind, denn diese lassen einen Schluß zu auf dio schaffenden Kräfte, die darinnen in die Erscheinung getreten sind. Man wird dagegen einwenden, das höhere religiös-sittliche Leben Israels, von dem die alttestamentliche Überlieferung Zeugnis ablegt, könne doch aus Quellen geflossen sein, die nach Moses Wirksamkeit und unabhängig von ihr erschlossen worden sind. "Aber dagegen spricht die prophetische Tradition, die immer wieder auf Mose und sein Wirken hinweist als den Quellpunkt der' geistig-sittlichen Lebensmächte des Volkes, und der Umstand, daß sich in der nachmosaischen Zeit kein Moment nachweisen läßt, wo eine prophetische Persönlichkeit mit neuen schöpferischen Ideen in den geistigen Lebensprozeß Israels eingegriffen haben könnte. * Was aber durch Rückschluß an Erkenntnissen zu gewinnen ist, läßt sich in Kürze so zusammenfassen: JHVH, der Gott der Hebräer, ist Mose offenbar geworden als dor eine höchste Gott, der Weltherr, dessen Wesen packende Macht und geistig-sittliche Bestimmtheit ist. Dio von Mose gestiftete Religion ist also zunächst einmal prinzipiell monotheistisch. Das beweist der Erw ählun gsg e d a n k e, der im ganzen Alten Testament im Mittelpunkt der Religion Israels steht. Er ist vor allem die Voraussetzung der prophetischen Verkündigung. Der Erwählungsgedanke, der zu den höchsten Errungenschaften der vorchristlichen Religionsgeschichte gehört, beruht auf prinzipiell monotheistischer Erkenntnis, denn nur ein Weltgott, der der Herr über alles geschichtliche Leben ist, kann aus der Fülle der Lebensgemeinschaften e i n e lür seine besonderen Zwecke herausgreifen. Dieser Summus Dens JHVH ist nun aber zugleich's i t tl i c h e r Wille. Der Gott, der Mose innerlich überwältigt hat, ist mit dem gesamten geistigen Leben der. hebräischen Stämme unlösbar verbunden. Grundsätzlich ist in Israels Religion von Anfang an durch den Erwählungsglauben jeder Naturalismus ausgeschlossen. JtIVH steht nicht in der Natur, sondern als Schöpfer über ihr; er ist nicht lebendige Allnatur oder abstrakte Allheit der Natur, sondern er ist g e i s t i g - s i 11 - lieher Art, er ist sittliche Persönlichkeit von höchster Willenskraft. Er ist nur sittliches Wollen zur Erreichung eines höchsten selbstgesetzten Zweckes in und mit Israel. Sein sittlicher Wille ist der oberste Gesichtspunkt für Israels Leben in der Geschichte. Israel ist um. seinetwillen da, nicht er um Israels willen. Nicht natürliche Bande knüpfen JHVH und seine Verehrer zusammen, sondern seine freie Er-

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