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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 201

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Das Werk Moses und seine Geschichte
Date
1919-02-10
Page
Seite 201 (sequence 1)
Language
German
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199 Das Werk Moses und seine Geschichte I. Der Offenbarlings Charakter der mosaischen Religionsstiftung Von Prof. D. Staerk, Jena OÄ^us dem Halbdunkel geschichtslosen Stammeslebens treten im Laufe des zweiten Jahrtausends hebräisch-aramäische Wan- SräK derscharen in das helle Licht der Geschichte Palästinas. Die reiche Kultur und die politische Anarchie der Länder zwischen Libanon und der ägyptischen Grenze reizte die Begier dieser armen, aber geistigstarken Steppenbewohner. Bald hatten kräftigere Gruppen von ihnen hin und her im Ost- und Westjordanlande festen Fuß gefaßt und spielten im politischen Kleinkrieg der kananäischcn Fürsten untereinander und mit dem ägyptischen Oberherrn dieses großen Gebietes eine wichtige Rolle. Andere, hebräische Elemente wurden aus uns unbekannten Gründen zeitweilig nach Süden abgedrängt, bis' sie die karge Steppe des ägyptisch-palästinischen Grenzgebietes und die Oasen der sinaitischen Wüst? aufnahmen. Wieder andere begehrten und fanden Aufnahme in der ägyptischen Ostmark am Rande des Deltas, wo sie getrennt von der ägyptischen Herrenbevölkerung aU verachtete Viehhirten ihr Leben fristeten. Unter diesen ägyptischen .Hebräern in einem Winkel der alten Kulturwclt ist die geistige Bewegung aufgekommen, die in der prophetischen Religion Israels und im Evangelium Jesu ihren Höhepunkt erreicht hat. Wie ist das vor sich gegangen?1) Die Religionsgeschichte kennt drei Wege, auf denen die Menschheit zur monotheistischen Gottesvorstellung aufgestiegen ist: 1. wir sehen,'wie eine hohe, aber lokal beschränkte Gottheit durch historisch-politische Vorgänge überragende Bedeutung in einem Pantheon von großen Göttern gewinnt und so schließlich nicht nur summus deus, sondern einzige praktische Gottheit wird; das ist der Weg des p o 1 i t i s c h e n E i n h e i t s d r a n g e s; 2. religiöse Spekulation ist bestrebt-, eine Einheit in der Erscheinungswelt des Göttlichen zu schaffen, indem sie hinter allen seinen Formen und Kraftwirkungen das eine .göttliche agens zu erschauen sucht; das ist der Weg des theoretischen E i nh e i ts d r an ge s; 3. aus dem Geheimnis überwältigender innerer Erfahrungen großer Religiösen steigt die Erkenntnis des einen Gottes auf, dessen Wille das Natur- und Weltgeschehen beherrscht. Die beiden ersten Wege sind die der natürlichen Gotteserkenntnis, der dritte ist der der Offenbarung. Auf allen dreien ist'die geistige Kultur des Altertums und besonders des alten Orients emporgestiegen vzu den Höhen der Gottheit. Ägypter und Babylonier, und nach ihnen Perser, Griechen und Römer, durften, ihr auf den ersten beiden Wegen l) Vgl. zum Folgenden die wertvollen Ausführungen S ö d e r b 1 o sa 's ..„Das Werden des Gottesglaubens". Leipzig 1910, S. 297 ff.

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