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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 196

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Das Galuthproblem und der Zionismus
Date
1919-02-10
Page
Seite 196 (sequence 14)
Language
German
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194 und noch mehr,in kulturell-deutschen Dingen von uns abgelehnt wird. Aber wir werden erwarten dürfen, daß im Staate niemand von uns von einerrr Amte oder von irgendeiner Stellung ausgeschlossen wird,, nur weil er Jude ist. Wird überdies unsere Intelligenz nicht mehr in .den Schraubstock lediglich weniger intellektueller Berufe künstlich .hineingezwängt, dann' wird auch das Hineinströmen der jüdischen Intellektuellen in die journalistische und literarische. Tätigkeit aufhören. Und die Erkenntnis, daß wir deutschen Juden die Pflicht haben, auch an der kulturellen Fortentwicklung zfhserer , Blutsgemeinschaft, des jüdischen Volkes, mitschaffend zu arbeiten, wird einen weiteren großen Anteil unserer geistigen Betätigung absorbieren. Vor allem aber wollen wir ihnen begreiflich machen, daß die viel geschmähte Internationali tat der Juden nicht Zwecken dient, die jemals gegen den eigenen Staat gerichtet sind, daß wir im letzten Grunde dank unserer durch das Gallith bedingten Zerstreuung „unter allen Völkern auch imstande 'sind, an. dem Ziele der Sehnsucht aller erleuchteten Geister, Volkerf r. i e d e n und V ö 1 k e r v e r s ö h n u n g, als die gegebenen Mittler mit Erfolg zu arbeiten. So wird die schärfere Betonung unseres.Judentums dem Deutschtum und letzten Endes der ganzen Menschheit dienen, ein Kosmopolitismus, der beruht auf der Ausbildung und Entwicklung unserer jüdischen Nationalität. So wird aus der Anerkennung unserer Artverschiedenheit sich das richtige Verhältnis zwischen Judentum und Deutschtum herausbilden, das uns Juden zwar nicht von den ihm ewig anhaftenden Mängeln des Galutb wird befreien,, aber sie doch auf das erträgliche Maß wird einschränken können. .. Das ist die Bejahung des G a 1 u t h , das, mag es uns auch noch so große Schmerzen gebracht haben, schließlich doch auch'lm Grunde nach Herrrha.nn Glenn die Ursache war „für die letzte Zusammenfassung und Festigung der jüdischen Nation, ja sogar die Rettung ihrer Existenz, die auf heimatlichem Boden nur zu leicht der Vernichtung durch mächtige Eroberer preisgegeben war. Dem Galuth verdankt das ♦Judentum die ungeheure weltgeschichtliche Befruchtung des jüdischen Geistes durch das glänzende Kulturphänomen Europa, das seinerseits so unendlich, tief dem jüdischen Geist und dem aus ihm entstammenden Christentum verpflichtet ist. So kommen wir, die w i r d a s G a 1 u t h bejahen, weil wir nicht anders können, zu dem Schlüsse, daß wir Zionisten unsere Kräfte mehr als bisher der Galuthatbeit zu widmen verpflichtet sind. VIII. Daraus folgt endlich, daß die Zeit gekommen ist, wo wir mit den jüdischen Organisationen, die nicht auf dem Boden des . Zionismus stehen, wieder, zusammenarbeiten können. Die Fülle des Widerspruchs erkennen, aber auch die Fülle der Versöhnung erstreben, ist im letzten Grunde auch nach Buber, was wir wollen müssen. Daß eine Verständigungsmöglichkeit mit den anderen . jüdischen Organisationen kommen muß, daß alles nach ihr drängt, weil wir uns den inneren Zwist und den Bruderkampf nicht

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