Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 9-12 (10.2.1919)
- Article
- Das Galuthproblem und der Zionismus
- Date
- 1919-02-10
- Page
- Seite 194 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2908689-2908735-2908742-2911637--2284-2911670- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
m' .■................■........... ...........................;....... .......................:..................... zweifelhaft, daß die hier, sich entwickelnde Kultur eine gänz andere .wäre als die im jüdischen Palästina, daß sie sich von ihr durchaus und 'wesentlich unterscheiden würde. Denn „eine geistige und materielle nationale selbständige Kultur kann nicht ohne nationalen Grund und Boden existieren, ohne einen sozial-geschichtlichen greifbaren Jungbrunnen, ^er alles Geistige und Materielle bewassert. Das Volk ist eine seeliscbmaterieDe hodenhafte Gemeinschaft und ans Materielle und Erdhafte festgeknüpft". Dem Manne, der das sagt, wird wohl keiner die Kompetenz des Urteils absprechen wollen. Es ist M i c h a JosefBerdyczewski (Bin Gorion). Und wem das nicht genügt, der lese nach, was Jakob Klatzkin über jüdische Kultur im Galuth schreibt. Darum ist für uns Juden des Galuth die Forderung des Primats des Judentums auch nur in kulturellen Dingen etwas Unmögliches. Denn für uns wird die jüdische Kultur im Lande Palästina, mag sie, wie wir heißen Herzens erhoffen, noch so Großes und Vollkommenes leisten, niemals das Eigene in vollstem Umfange sein können, weil ihrem Einflüsse immer die Kultur der Welt, in der wir leben, des Bodens, auf dem wir stehen, die Wage halten wird. Daß aber ein Primat des Judentums in staatsbürgerlichem Sinne bestehen sollte, wenn anders wir die restlose Gleichberechtigung in Staat und Gesellschaft verlangen und durchsetzen wollen, ist selbst in den Ländern mit nationaler Autonomie der Juden unmöglich, geschweige denn für die Juden der v/estlichen Länder und Deutschlands,^ für die nationa 1 e Minderheitsrechte, also Autonomie in irgend einer staatsrechtlichenFarm, überhaupt nicht inFrage kommen kann. VII. So müssen wir uns mit der Tatsache abfinden, daß auch nach restloser Durchführung unseres ganzen Palästinaprogramms, nach der Einrichtung und Ausgestaltung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, das Galuthproblem für den Zionismus unverändert nicht nur, sondern in noch gesteigertertem Grade bestehen bleibt. Das Galuthproblem läßt sich für uns Zionisten, die wir das jüdische Volk sein wollen, nicht verneinen. Aber es ist, wie aus allen unseren Ausführungen hervorgeht, nicht restlos zu lösen, es wird für uns Juden der Diaspora immer nur ein Kompromiß geben. Die tiefe Tragik des Galuthjuden, dessen Persönlichkeit zur vollen eigenen Entwicklung und Entfaltung nicht kommen kann, wird selbst unter den günstigsten politischen und sozialen Bedingungen nicht ganz 'verschwinden. Der Riß, der durch unsere Seele geht, wird sich nicht'ganz schließen. - Aber wir müssen wenigstens das Kompromiß so schließen, daß wir zu erträglichen Vertragsbedingungen kommen. Diese Lösung per Galuthfrage, die einzige, die denkbar ist, von ihr hoffen i-nd verlangen wir, daß sie uns der Zionismus bringt. können uns dieser Aufgabe nioht länger entziehen, gerade in diesem Augenblick noch weniger wie früher. Wir wissen, daß die Lösung in |edem Lande anders.. aussieht und wer daran zweifelt.