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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 193

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Das Galuthproblem und der Zionismus
Date
1919-02-10
Page
Seite 193 (sequence 11)
Language
German
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19t f r an % o s e. n usw. geworden, und auch nach der Herstellung Palästinas wird, wie auch Hermann Glenn schreibt, das GaJuthjudentum fortfahren, in unbeschränkter Hingabe und Liebe der umgebenden Heimat zu dienen, um sich das Recht der Zugehörigkeit zu einer wesentlich gebenden fremden Kultur immer neu zu enterben. Diese Kultur ist uns aber «nicht fremd, wir nehmen sie auf als etwas Eigenes, das sie uns längst geworden ist. „Wir bilden einen neuen Typus, des europäischen Juden. Wir fassen das Europäische auf jüdische Art an, aber das Europäische anzufassen ist uns nötigstes Bedürfnis geworden. Wir lieben es ebenso innig, vielleicht inniger — neuer Freunde Liebe ist immer inniger — wie die anderen,, wir. lassen uns oft genug davon zu größter Begeisterung hinreißen, wiewohl wir uns ihm rettungslos ergeben. Und wir haben auf dieses Europäische ein Anrecht, weil es unserem innersten Wesen zum natürlichen Bedürfnis wurde, weil wir daran seit langem auf unsere Art schaffen", — ich glaube, unser Verhältnis zur europäischen Kultur kann kaum besser gekennzeichnet werden als hier von dem Zionisten Meir Wiener. Auch unsere Brüder im Osten sind durch die tiefsten und innigsten Bande, und ob sie noch so sehr ein Eigenleben führen, mit allen geistigen und kulturellen Erscheinungen ihres Landes verknüpft. Und wir deutschen Juden sind es erst recht und werden es sein, trotz allem Kult u r z ionismus und trotz aller jüdischer Kultur, die geschaffen ist, oder hoffentlich noch* geschaffen werden soll. Wir leben im deutschen Lande, alle Einflüsse, die auf uns wirken, sind deutsch. Daher ist die Kult u r, die wir kennen, eine deutsche, denn sie ist das P r o d u k t unser e r U m w e 11. Wir sind Juden nach A b' - s t a in m u n g, aber, unsere Gedanken sind deutsch. Unser Blut ist jüdisch, unser Gehirn denkt deutsch. . Gewiß wird das Gehirn .von unserem jüdischen Blut ernährt, darum läßt sich beides in uns nicht trennen. Die Strahlen der deutschen Kultur brechen .sich im Prisma des Juden. Es ist daher ganz selbstverständlich, daß wir die deutsche Kultur auffassen und wiedergeben in unserer eigenen Weise. Unser geistiges Schaffen wird die jüdische Eigenart zeigen, denn wir können in dein, was'wir sagen und denken^ das jüdische Blut nicht ausschalten, auch wenn wir glauben, ganz deutsch zu sprechen, wird dem feineren Gehör des anderen die jüdische Note sehr oft nichtunbemerkt bleiben. Warum wollen wir das leugnen? Ist es doch •naturwissenschaftliches Gesetz, daß Angeborenes und Erworbenes in jedem Individuum sich mischt zur Ausbildung und Entwicklung seiner A r t. Seien wir doch stolz darauf, daß so im Kulturleben der Völker die jüdische Note auch darin nicht fehlt, wo es uns nicht vergönnt ist eine eigene jüdische Kultur auf eigenem Boden zu schaffen. "Denn eine jüdische Kultur eigenen Gepräges läßt •sich nur schaffen in jüdischem Lande, im zukünftigen Palästina. Selbst wenn wir Juden im Galuth die nationale und kulturelle Autonomie erhalten würden, was nur in den Ländern mit.jüdischen Massensiedlungen. überhaupt möglich ist, selbst dann wäre es nicht

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