Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 9-12 (10.2.1919)
- Article
- Das Galuthproblem und der Zionismus
- Date
- 1919-02-10
- Page
- Seite 190 (sequence 8)
- Language
- German
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luth verbleiben. Die jährliche Einwanderung' von Juden in» Palästina wird vom Geburtenüberschuß der russischen Juden allein um ein Vielfaches übertroffen. Was aber soll aus den Juden im Galut h werden? Wollen wir wie früher an diesem Problem vorübergehen, wir, die wir doch eine Vertretung* des gesamten jüdischen Volkessein wollen, nicht eine Partei im Judentume? Die zionistische Weltorganisation hat den neuen Verhältnissen durchaus Rechnung getragen. Unter den Forderungen des Kopenhagener Programms befindet sich das Verlangen nach staatsbürgerlicher Gleichberechtigung in allen Ländern. Wir deutschen Zionismen haben somit die Verpflichtung, gleich wie unsere Gesinnungsgenossen in allen anderen Ländern, diese Forderung energisch zu erheben und durchzusetzen. Wir haben in Deutschland bisher den Kampf für die Gleichberechtigung' als unerheblich und unbedeutend abgelehnt, wir sahen darin eine. Ablenkung von unseren großen Zielen, etwas Kleines und Kleinliches, 'etwas, was wir nicht ohne Hohn und Spott anderen Organisationen überließen. Daß das in Zukunft nicht so bleiben kann, darüber sind wir uns wohl alle klar; ebenso klar, daß die Frage des Galuth keine einheitliche ist, daß die Verhältnisse in den Ländern mit Massensiedlungen andere Aufgaben, andere Forderungen verlangen als in den Staaten mit kleiner Judenbevölkerung, die verstreut über dem ganzen Lande ohne räumlichen Zusammenhalt leben. Das Galuth prob lern verlangt also für jedes Land eine besondere Lösung. Ihre Lösung auch in Deutschland ist für uns eine Lebensfrage. Sie wäre es vielleicht nur dann nicht, wenn die Möglichkeit der Ansiedlung aller Juden in Palästina bestünde, wenn, wie Erich Cohn in seinem bekannten Aufsatz sagt, „es jedem Juden, dem die Verhältnisse Juer nicht passen, freistände, nach Palästina auszuwandern'4. Da aber, wie wir gesehen haben, dieser Weg, selbst wenn wir alle ihn gehen wollten, nicht gangbar ist, so wrerden wir einen anderen suchen müssen. VI. Nehmen wrir an, Palästina wäre bereits die ersehnte nationale Heimstätte der Juden. Welches soll unsere Stellung zu ihm und zu dem Lande sein, in dem wir leben? Sollen wir Bürger des palästinensischen Staates sein und hier in Deutschland leben als eingewanderte Fremde, als ein Gast im fremden Wirtsvolk, so wie etwa der Franzose hier wohnt, der Engländer oder der Amerikaner? Wir wissen, daß solche Anschauungen im Zionismus vertreten Verden. Sie werden in Deutschland propagiert, sind namentlich in der Jugend verbreitet und haben hier eine Ausdehnung angenommen, die es 'nötig macht, daß ihnen entgegengetreten wird. Ihr literarischer Vertreter im Zionismus ist J a c o b K 1 a t z k i n. Er schreibt: „Wir sind nicht Deutsche, Franzosen usw. und Juden, nicht Deutsche, Franzosen und Juden obendrein, unser Judesein ist nicht Überbau eines Deutschseins, wie es ihm nicht Unterbau ist, diese Seine schließen sich gegenseitig aus. „Wir sind ein Fremdvolk in eurer Mitte und wollen es auch sein. Eine un-