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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 189

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Das Galuthproblem und der Zionismus
Date
1919-02-10
Page
Seite 189 (sequence 7)
Language
German
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1Ö7 sein, darunter leiden müsse, wenn es ein Volk wie alle Völker werde, der sei daran erinnert, daß die Wandlung von Weltbürgertum zum Nationalstaat von keinem Deutschen als Degradation des deutschen Volkes wird aufgefaßt werden. Ein auf das Ziel des Menschengeschlechts gerichteter Wille, so lehrt Fichte, kann naturgemäß unmittelbar nur auf eine unmittelbare Umgebung wirken, d. h. sein Wirkungskreis ist die Nation. Dadurch wird der Mensch Patriot, bleibt aber Kosmopolit, „indem der lezte Zweck aller Nationalbildung doch immer der ist, daß diese Bildung sich verbreite über das menschliche Geschlecht. Dicso Nationalbiidung ist nichts mehr und nichts weniger als höchste menschliche Bildung überhaupt/4 Sollte nicht auch, die Bildung einer jüdischen Nation von dieser hohen Warte aus betrachtet werden können? V. Aber die große Mehrheit der deutschen Juden lehnt ja das jüdische Volk nicht ab aus solchen Gründen. Es wagt nicht das Zugeständnis, weil es um die Beeinträchtigung seiner staatsbürgerlichen Gleichberechtigung bangt. Und auch wer andere Gründe äußert, dem schlummert im Unterbewußtsein die Furcht vor dem Antisemitismus. Wir Zionisten haben, diese Anschauung als unberechtigt "zurückgewiesen, wir glauben nicht, daß die Anerkennung unserer Zugehörigkeit zum jüdischen Volke, zur jüdischen Nation, unsere Stellung zum Staate beeinträchtigen kann. Nur daß wir diese Fragen bisher leider zu theoretisch betrachtet haben. Denn der alte Staat hat uns die Gleichberechtigung nicht gegeben, ob wir uns nun jüdische Religion oder jüdisches Volk nannten. Nun aber hat der Ausgang des Krieges den alten deutsehen Obrigkeitsstaat endgültig gestürzt und das Verhältnis der Juden zum Staat und zur Gesellschaft wird sich neu gestalten müssen. Und noch größer als bei uns sind die Staatsumwälzungen in den Ländern der großen jüdischen Massen. Wollen wir Zionisten auch jetzt noch abseits von diesen Dingen stehen? Die Frago auf werfen, heißt das Problem des Galuth in seiner ganzen Schwere aufrollen. Der Kampf um unsere Palästinaforderungen, den wir gegen den Widerstand des gesamten Galuthjudentums führten, hat uns zu ihm in eine Gegnerschaft gebracht, die an Schärfe nicht mehr über troffen werden kann. Nun aber ist der Palästinakampf entschieden, die Verwirklichung unseres Palästinaprogramms hängt, zumal in Deutschland, nicht mehr von unseren Gegnern ab, sie wird kommen mit dem Kapital, zu dem die deutschen Juden nur wenig, mit dem Menschenmaterial, zu dem wir so gut wie nichts werden beitragen können. Das deutsche Judentum wird sich an den großen Aufgaben, die unser harren, nur mit seiner Intelligenz beteiligen können. Aber die Judenfrage wird auch durch die restlose Erfüllung unseres Palästinaprogramms nicht gelöst. Denn selbst die optimistischsten Berechnungen stimmen darin überein, daß wir in zwei Generationen höchstens vier bis fünf Millionen in Palästina ansiedeln können. Immer werden zwei Drittel aller Juden, d. h. mindestens zehn bis zwölf Millionen, im Ga-

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