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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 186

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Das Galuthproblem und der Zionismus
Date
1919-02-10
Page
Seite 186 (sequence 4)
Language
German
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154 Juden unter die 60 Millionen Deutsche. „Dieser Prozeß aber wurde gestört? und gehemmt durch die Feindseftgkeit des Antisemitismus. Die obere . Schicht, ich'.meine gerade die gebildetsten und edelsten Vertreter des Judentums, war auf dem besten Wege, ganz deutsch zu werden und ganz deutsch zu fühlen; auch im Übertritt' zum Christentum sahen manche nur noch die äußere Besiegelung dieses Verhältnisses. Jetzt traten auch sie wieder einen Schritt zurück." „So hat der Antisemitis- . mus die Kluft, die sich langsam zu schließen anfing, aufs neue wieder aufgerissen und erweitert." Hier haben wir die liberale Phraseologie der Behandlung der Judenfrage in Reinkultur, hier haben wir das ehrliche Bedauern über das Aufhören der Verschmelzung von Juden und Deutschen durch den Antisemitismus, der ja die Taufe als unzulänglich für dieses Ziel hinstellte, da man aus einer Rasse öder aus einer Art eben nicht heraus könne, so wenig wie etwa der Neger aus der äthiopischen Rasse austreten kann. III. Wir Zionisten haben immer zugegeben, daß wir Juden uns nicht nur durch die Religion von unseren Mitbürgern unterscheiden, daß wir von ihnen durch unsere Abstammung und unsere Art verschieden sind. Wir haben dies Zugeständnis gemacht, nicht weil, sondern obwohl dies^ Formulierung der Gegensätze von unseren bittersten Feinden zum Grundsatz erhoben worden ist. Denn wir haben die Meinung vertreten, daß man Gegensäze nicht aus der Welt schafft, indem man sie einfach bestreitet. Überdies ist klar, daß die Anerkennung von Tatsachen nicht zur Anerkennung auch von Folgerungen verpflichtet, die irgend wer aus diesen Tatsachen zieht. Die deutschen Juden in ihrer Mehrheit bestreiten diesenG'egensatzderArt nach wie vor. Aber sie sind doch im Laufe der Zeit genötigt gewesen, zuzugeben, daß auch noch etwas anderes uns von unseren deutschen Mitbürgern trennt als nur die Religion. Bei der Zionistendebatte im Zentralverein sagte schon Eugen Fuchs, daß er den jüdischen Gemeinschaftsgedanken gelten läßt als Stammesgedanken im Sinne Franz Oppenheimers. Heute, nach den Erfahrungen des Krieges, ist dieser Gedanke auch in den uns fernstehenden jüdischen Kreisen außerordentlich gewachsen. Finde ich doch in der letzten Nummer der Zeitschrift des dem Zionismus so feindlichen K. C. folgende Ausführungen von Dr. Krombach: „Der oft geflissentlich genährte Gedanke, daß lediglich das religiöse Bekenntnis uns von den im übrigen völlig gleichartigen Gliedern des deutschen Volkes scheide, die- Verkennung gewisser jenseits der Konfession stehender Momente unserer Religion und unserer Geschichte, die Verleugnung unserer besonderen Stammesart., alle diese krampfhaft versuchten Einengungen des jüdischen Fühlens, durch die man eine teilweise Ideengemeinschaft mit den zionistischen Widersachern zu vermeiden strebte, werden vor der Macht der warm hervorquellenden jüdischen Empfindungen nicht mehr Bestund haben. Das Bev/ußtsein der durch Glauben, Stammesart und Geschichte fest begründeten Solidarität mit den jüdischen Brüdern außer-

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