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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 185

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Das Galuthproblem und der Zionismus
Date
1919-02-10
Page
Seite 185 (sequence 3)
Language
German
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183 Der Gang der. Ereignisse seit Beginn der Kämpfe um ihre politische Gleichberechtigung hat die deutschen Juden dahin gebracht, infolge der hartnäckigen Weigerung der preußisch-deutschen Konservativen, die nach schweren Kämpfen errungene verfassungsmäßige Gleichberechtigung auch in der von ihnen völlig beherrschten Verwaltung anzuerkennen, sich fast restlos den liberalen Parteien anzuschließen. Denn im dauernden Kampfe für die Anerkennung ihrer Staatsbürgerrechte sahen sie nur in den liberalen Parteien ihre einzig zuverlässigen Verteidiger. Dem Liberalismus aber mußte daran gelegen sein, die ihm im politischen Kampfe außerordentlich unangenehme Tatsache der politischen Betätigung der Juden fast ausschließlich im liberalen Lager den Gegnern gegenüber als möglichst harmlos hinzustellen und zugleich die Forderung der vollen Gleichberechtigung der Juden auf das rein religiöse Gebiet hinüberzuspielen. So betonte er denn immer wieder geflissentlich, die Judenfrage sei eine rein religiöse, man müsse Duldung und Toleranz gegenüber Andersgläubigen üben und es sei doch eines Kulturvolks nicht würdig, Menschen, die sich einzig und allein durch , ihren Glauben von den andern Bürgern unterscheiden, deswegen von der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung auszuschließen. So ging denn diese, auf der uns so entwürdigenden Toleranz aufgebaute Fiktion von der jüdischen G1 a u b e n s ge m e i n s c h a f t in die Köpfe der deutschen Juden über und blieb hier haften, als längst ganz andere Gedanken die Judenfrage beherrschten. Die Feindschaft der rechtsstehenden, in Staat und Verwaltung ausschlaggebenden Parteien gegen die Juden wurde immer mehr mit ihrer Art- und Rasscnverschiedenheit begründet. Diese Parteien wurden immer mehr nationalistisch deutsch, sie wollten eine nationale Uniformierung aller Glieder des deutschen Volkes, bekämpften alles, was nicht national oder völkisch deutsch war, als fremdstämmig und daher schädlich, und verlangten als Voraussetzung zur Mitarbeit an Staat und Gesellschaft die Aufgabe jetler Eigenart zugunsten ihres eigenen nationalistischen Deutschtums. Aus dieser Bedrängnis flüchteten die deutschen Juden nur zu gern 211 den Liberalen, die ihnen doch immer wieder die Überzeugung beibrachten, daß nur der Glaube sie von ihren Mitbürgern trenne, nicht nur weil sie sich auf diese Weise ihren politischen Kampf gegen die Rechte bequemer machten, sondern auch, weil sie schließlich so die Judenfragc am besten aus der Welt zu schaffen hoffen konnten. Denn da das Religiöse für den Liberalismus nur etwas sehr Unwesentliches ist, konnte das Manko der Juden ganz leicht beseitigt werden durch die Taufe, durch das restlose Aufgehen in ihre Umgebung, durch die völlige Assimilation, für die Liberalen immer die beste Lösung der 'Judenfragc. Wenn wir das nicht aus den Vorgängen im öffentlichen Leben, aus den Äußerungen liberaler Politiker wüßten, so brauchen wir nur auf die für den Liberalismus typischen Ausführungen Theobald Z i e g 1 e r s über den Antisemitismus in seinem bekannten Buche hinweisen. Die Verschmelzung zwischen Judentum und Deutschtum war auf dem besten Wege, möglich sei sie nur durch das Aufgehen der 600 000

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