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Neue jüdische Monatshefte · 1919-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1919) · p. Seite 178

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 7-8 (10.1.1919)
Article
Der Dichter Beer-Hofmann
Date
1919-01-10
Page
Seite 178 (sequence 3)
Language
German
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176 „Kein Gott warf in dich wehvoll dunkles. Fragen, Wohin du blühst — was deine Wurzeln düngt." Von unendlicher innerer Wärme und Menschengüte leuchtet dieses Urbild der jüdischen Seele, diese Jaakobgestalt, die das müde, wunde Lamm mit sich zu Abendrast und Höhe trägt und auch im Sklaven den Menschen sieht, den Sklaven zum Menschen macht. Und dann — im zweiten Teil des Werkes — die gedanklich-lyrisch wundervollen Stufen der Traum- und Engelsvision! Hier gerade steigert sich die Rassenapotheose zur Weltdichtung; denn hier setzt sich der Dichter faustisch — oder, was wohl näher liegt: hi-obs artig, schmerzlich hadernd und zuletzt doch wieder gläubig bejahend und vertrauend — mit Jammer und Grauen des Daseins, mit dem Fluche vor allem des Judentums selbst in den eigensten, innigsten, durchfühltesten dichterischen Worten und Rhythmen auseinander. Schrill durchschneidet die Lobpreisungen der Erzengel die Anklage des düsteren, abtrünnigen, leidgeweihten Engels: „Ich lästre nicht! Ich kann nur nicht lobsingen Gleich euch, die ihr euch sonnt in seinem Strahl! Doch euera Sang mit Cymbeln und Posaunen, ^.Ihn übertönt furchtbar der Schrei der Qual, Der aufsteigt, ewig aufsteigt, niemals endend, j$lus seiner Welt! Ich neide sie ihm nicht! 'Sein sei der biut'go Knäuel, den da drunten Brunst, Haß und Gier stöhnend zusammenflicht." Aber mit spinozistischer Geisteshöhe erkennt dieser leidenschaftliche und blutende Ankläger zugleich die ergänzende kosmische Notwendigkeit des Übels: „Seid Ihr sein Glanz? Schwarz über seine Welt muß Gott werfen mich — mich — Gottes ew'gen Schatten!" Und Jaakobs eigenes tiefes, gotterfülltes Menschentum erkennt die höhere Inbrunst der Gotteslicbe gerade im Gotthasser: „Du Leiderfüllter, läßt denn du von Ihm? Und — näher seinem Throne steht dein Hassen — Als alle Liebe seiner Cherubim!" Und noch einmal faßt sich alles, symphonisch zum Gipfel anschwellend, im Gedanken der Sendung zusammen: ' Jaakob: „So wählt moi'n Blut er aus, zum stolzen Reiso, In alle' Zeiton sprießend, nie verdorrt, Daß meinem Mund von neuem immer wieder EntStürze seines ew'gen Willens Wort!" Aber zwischen Michaels Ewigkcitshymnus und Samaels dunkelgrollendem Zweiüel teilt sich noch einmal die ins Übermenschliche ragende Größe und Tragik dieser Sendung auf:

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