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Neue jüdische Monatshefte · 1919-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1919) · p. Seite 177

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 7-8 (10.1.1919)
Article
Der Dichter Beer-Hofmann
Date
1919-01-10
Page
Seite 177 (sequence 2)
Language
German
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175 Charolais" hat er geschwiegen, und auch jetzt noch entschließt er sich mit einer zurückhaltenden Scheu, die wohl gleich sehr seiner edlen Persönlichkeit wie seinem altadligen jüdischen Rassenblut entstammt, nur schwer und widerwillig dazu, sein Werk in die rauhe und fremde Welt der Öffentlichkeit zu entlassen. Sein Vorspiel zu der von ihm ge- , planten trilogisehen Historie von König David1) sollte eigentlich erst als Auftakt des Gesamtwerks erscheinen; nun aber haben bestimmte Gründe den Dichter bewogen, es doch schon vorher in die Welt hinauszuschicken. Hier spricht ein Dichter von überzeitlicher Höhe. In einem tieferen Sinne klingt freiließ auch diese Dichtung vielleicht in diese von Schicksalen zitternde und berstende Zeit hinein; denn die Gegenwart hat ja überall die dunklen, stockenden Tiefen der Geschichte aufgerührt und auch die uralte Ahasver-Tragik des Judentums wieder zu neuer Bewußtheit und neuen dämmernden Möglichkeiten emporgetragen. Wieder ist auch bei Beer-Hofmann Stärke und Grenze des Menschlichen eins; denn eine Dichtung wie diese konnte nur aus einem starken, wurzelhaften Rassen- und Traditionsgefühl heraus geschrieben werden. Jaakob ist in diesem Vorspiel (das programmatischer Auftakt ist) nicht mehr und weniger als menschlich-vollblütige und doch sinnbildliche Verkörperung der jüdischen Seele in ihrem liebenden — im Grunde christushaften und Christus vorwegnehmenden — Allerbarmen, das verbrecherischer Gewalt gegen irgendeine Kreatur nicht fähig ist; er ist der gütige, seherische, gottsuchende und gotterkorene Mensch und darum der Träger" der weltgeschichtlichen Sendung des Judentums in seiner unendlichen Leid- und Segensfülle. Wundersam tiefe Welt- und Seelenblicke öffnen sich hier hinter dem einfachen biblischen Bericht von Jaakobs traumgeschauter Himmelsleiter, auf der Engel auf- und niedersteigen, und seinem Ringen mit Gott — aber welch unbewußter oder schon halbbewußter Tiefsinn des Mythos, der solche Deutung zuläßt, ja beinahe fordert! Weil Jaakob der pro.videntielle Mensch ist, darum gewinnt er vor' Gott und Geschichte dem älteren Edom den Vorrang ab, und die listige Kleinlichkeit des Originalberichts wird daneben belanglos. Oder mit Rebekahs eigenen Worten zu Edom: „Weil du — nur jagen kannst und opfern, morden! Und er vor aller Wesen Leid erblaßt, Und er zu allem spricht — und zu ihm alles . . Trägt er den Segen und des Segens Last . ." Aber auch Edom ist mit den milden, verstehender*, parteiisch-überparteiischen Augen des Dichters gesehen und zugleich mit feiner Kontrapunktik der Seelengestaltung als Gegentypus und Gegonmotiv zu Jaakob ausgespielt: denn Edom ist der unbewußt gesunde, fraglos sichere und starke Natur- und Instinktmensch, dessen glücklich rauhe Ungebrochenheit (ein feiner Zug!) der Grübler und Seher, der „vom Gott allzu nah Umdrängte", der Träger einer schweren Sendung, bisweilen fast beneidet: *) „Jakobs Traum". S. Fischer Verlag 1917.

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