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Neue jüdische Monatshefte · 1919-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1919) · p. Seite 175

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 7-8 (10.1.1919)
Article
Ein Spinozaroman [Rezension]
Date
1919-01-10
Page
Seite 175 (sequence 5)
Language
German
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173 für sein bescheidenes Auskoramen verdient, im zweiten sitzt bei einem Lämpchen der große Philosoph Spinoza und schreibt sein Traktat über Ethik. Riensburg heißt das Dorf, wo Spinoza seine Ruhe fand. Es liegt zwischen Feldern und wird befächelt von den Flügeln der idyllischen Windmühlen. Nicht weit davon liegt die Universitätsstadt Leiden. Ab und zu besuchen* ihn gute Freunde. Einmal hielt ein reicher Wagen am Ende des Dorfes, einvornehmer Herr stieg aus, ging durchs Dorf und klopfte mit dem großen goldenen Stockknopf an die Tür. Man möchte dem Spinoza melden: Sir Henri Oldenburg. Spinoza meint, dieser reiche Herr suche den Brillenschleifer, und zeigt ihm nun seine Arbeit. Der Besucher abererwidert: Ich bin Sekretär der Königl. Gelehrtengesellschaft in London. Auf einer Rückreise von Deutschland verweile ich bei meinen Vetter.Coccejus. Hier vernahm ich von einem Traktat, als dessen Autor Ihr bezeichnet werdet. Einige Ansichten dieses Traktats haben mich bewegt, Ich erbitte Eure Verzeihung, wenn ich durch meinen Besuch Störungverursachte. Ach so! Dann gehört der Besuch ins zweite Zimmerlein. Dorthin ladet Spinoza seinen hochgestellten Gast ein. Bei einem Glase leichten Weines fließt lange, lange ein leises Gespräch. Als Spinoza seinen Gast bis zum Wagen begleitet, da sprechen sie» wenig, wie Leute, die seit vielen, vielen Jahren innig befreundet sind. Der Besucher besteigt seinen Wagen und ist äußerst glücklich. Spinoza im Haag. Bereits ein Vollendeter. Hoch steht sein Stern, die weitesten Wege beleuchtend. Sein Körper aber wird immer schwächer, Schon in Riensburg ergriff ihn mehrerenial ein Bluthusten. Das Klima sei schädlich. Der Haag wäre besser. Zu seinen viele» Verehrern kam noch zu der große, mutige, an die alteif Römer gemahnende Jan de Witt. Über Holland ziehen sich schwarze Wolken zusammen. Die Intriegen der Oranier wachsen, die Pfaffen bekommen Courage und ersticken den freien Geist. Adrian fällt als erstes Opfer der Priesterpartei. Jan de Witt spürt das herannahende Gewitter, glaubt aber an seine Kraft, an den Zauber seines Namens.. Hat er denn nicht aLs der größte Held- Hollands gegolten? War er nicht etwa der Stolz Hollands? Diese Sicherheit aber nimmt bei ihm von Tag zu Tagab. Er sucht seine traurigen Gedanken im kleinen Kämmerlein bei Spinoza zu zerstreuen. Dort im tiefsinnigen Gespräch begreift er dio Nichtigkeit seiner Angst, dort spürt er den Hauch der Ewigkeit, der gegenüber allen Intrigen seiner Feinde zu klein aussah. Und als für iha und für seinen Bruder Kornelius dio Zeit des Märtyrertodes von dez* Händen des Pöbels kam, so schwebte vor seinem letzten Blicke samt der Gestalten der großen „Römer auch der blasse, göttliche Ausdruck des Gesichtes Spinozas vor. Als Spinoza vom schrecklichen Tode der Brüder de Witt erfährt» eilt er nach der Stadt, wo die Straßen vom blutbetrunkenen Pöbel überfüllt sind. Das Blut der de Witt Hat geflossen, in Stücke hat man ihro

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