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Neue jüdische Monatshefte · 1919-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1919) · p. Seite 168

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 7-8 (10.1.1919)
Article
Die Judenfrage - eine Minoritätenfrage
Date
1919-01-10
Page
Seite 168 (sequence 3)
Language
German
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166 der staatlich organisierten Gesellschaft einer in öich homogenen-Majorität gegenübersteht, kommt es zur Judenfrage. Das Objekt der Judenfrage ist also ein Massenverhältnis. Die Lösung der Judenfrage ist von zwei Größen abhängig: der Zahl der Juden (Minorität) und der Zahl der ihr gegenüberstehenden Bevölkerung (Majorität). Dazu kann man als dritten die Judenf'rage bestimmenden Faktor,, der aber quantitativ bereits durch die beiden ersten Faktoren gegeben ist, hinzunehmen: dio Beziehungen der beiden zueinander. Dies kann man in die Worte fassen: Die Judenfrage ist die Frage des Verhältnisses einer Minorität zu einer Majorität oder kürzer: eine Minoritätenfrage. Darin besteht der s o z i o 1 o g i s c h e C h a r a k t e r der Judenfrage. Es ist aber wieder nicht ein Spezifikuni der Juden, Minorität zu sein, sondern Minoritäten gibt es auch sonst in der menschlichen Gesellschaft, ja beinahe jede Gesellschaft besteht aus Majorität und Minorität. Man sieht: die Judenfrago ist nichts besonderes. Sie tritt auch anderweitig unter anderem Namen auf, sie ist ein häufiges, sogar ein gewöhnliches Phänomen, ein M ä s s e n p h ä n o m e n der S o z i o 1 o - g i e oder Gesellschaftswissenschaft. Dem zahlenmäßigen Unterschied zwischen Majorität und Minorität korrespondiert ein dynamischer Unterschied: die Majorität ist gewöhnlich stark, die Minorität schwach. Es ist das Schicksal der Minorität, es folgt &us dem Begriffe der Minorität, schwach zu sein. Daher * die allgemeine Hoffnungslosigkeit des Kampfes zwischen Majorität und Minorität. Nur dio Kampfmittel sind verschieden, bald roher, bald feiner, je nach dem Stande der Sublimierung der Kultur: bald ist es rohe Gewalt, bald sind es Ausnahmegesetze, bald die tückische Waffe des gesellschaftlichen oder geschäftlichen Boykotts; aber auch administrative Selbstherrlichkeit in der Anwendung des Gesetzes unddas so oft namentlich von der Presse gebrauchte schleichende Gift des Totschweigens berechtigter Beschwerden gehören hierher. Wir sind bisher zu folgenden Ergebnissen gelangt: 1. Die Juden sind ein heterogener Bestandteil der Bevölkerung. 2. Die Juden befinden sich überall in der Minorität. 3. Die Eigenschaft der Juden, in der Minorität zu sein, ist keine Besonderheit der Juden. Zu den beiden bisher betrachteten soziologischen Charaktermerkmaien der Juden: Keterogenität und Minorität kommt aber noch ein drittes: die Juden leben zerstreut unter den anderen Völkern. Dies hat zur Folge, daß die jüdische Minorität in den einzelnen Ländern verschieden groß ist. Denn wo hört die Masse auf, Masse zu sein? Bilden drei Menschen noch eine Masse? Oder zwei? Oder gar das Individuum wird wohl kaum als Masse angesprochen worden können? "Wenn sich, aber zwei Individuen durch Fortpflanzung vermehren, so kann wieder eine Masse daraus werden. Man könnte das Individuum als .unendlich kleine Ma^so bezeichnen. Zwischen den beiden Urs dementen der soziologischen Betrachtungsweise Individuum und Masse

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