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Neue jüdische Monatshefte · 1919-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1919) · p. Seite 167

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 7-8 (10.1.1919)
Article
Die Judenfrage - eine Minoritätenfrage
Date
1919-01-10
Page
Seite 167 (sequence 2)
Language
German
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165 gewöhnlich mit der Vorfrage: Worin unterscheiden sich, die Juden von den anderen, von anderen Religionen, Rassen,. Völkern, Kuihirnationen? Bei dieser Fragestellung ist die Judenfrage eine rein religiöse Frage, Rassenfrage, Frage der geschichtlicher! Erlebnisse, Kulturfragc. Bei allen diesen „Judenfragen14 wird die Erscheinung „Jude" als differenzierendes Moment betrachtet: die Juden sind anders als ihre Umwelt. Im Gegensatz dazu sollte man nach meiner Ansicht fragen: Sind die Juden anderen ähnlich? Auch dies widerspricht der Auffassung vieler Juden. Man ist gewohnt, die Stellung des Juden in der Gesellschaft als ihm eigentümlich, sein Schicksal als seine Mission, sein Leiden geradezu als Vorzug zu empfinden. Aber auch in den Augen .vieler Nichtjuden wird durch unsere Art der Fragestellung der Judenfrage der ihr eigentümlich«». Reiz genommen: die Juden sind nun keine ethnologische Spezialität ■ mehr. Allein wo es sich um Erkenntnis handelt, muß das Gefühl zurücktreten. Und was die Judenfrage dadurch an allgemeinem Interesse einbüßen könnte, bringt sie durch größere methodologische Sicherheit wieder herein: denn jedes wissenschaftliche Problem beginnt mit der Einordnung von etwas Besonderem in etwas Allgemeines* Denn was sehen wir, wenn wir die Juden in ihrer Eigenschaft als Bestandteil der Bevölkerung betrachten? Einfach zwei heterogene^ Bevölkerungsmassen. Die Judenfrage ist bei dieser Betrachtung ein Massenproblem oder soziologisches Problem, denn dio Soziologie ist die Lehre von den Massenerscheinungen und beschäftigt sich mit den menschlichen Massen. Die jüdische Masse hebt sich also von der Gesamtmasse durch irgendein differenzierendes Moment ab. Aber welches diese Besonderheit ist, lassen wir unentschieden, ja unberührt, wir wollen nur beachten und sogar betonen, daß die Juden eine besondere Masse sind, daß sie einen heterogenen B e v ö 1 k e ru n gs b es ta n d t e i 1 bildet. Wir betrachten die Besonderheit der Juden als solche. Die Eigenschaft, eine heterogene Masse zu sein, besitzen aber nicht. nur die Juden, sondern auch andere Bevölkern näselemente. Die moderne Gesellschaft ist nicht homogen. Sie besteht aus Bevölkerungselemcntcn, die sich körperlich und geistig, beruflich und sozial, nach Herkunft, Konfession, Sprache, Sitte, Recht unterscheiden. Die Judenfrage ist nur. ein Beispiel für die Heterogenität der Massen. Daher ist auch der Gegensatz zwischen Juden und Nichtjuden nichts besonderes, sondern überall, wo zwei heterogene Massen zusammenstoßen, zeigt sich dieselbe Erscheinung des Gegensatzes. Und doch gibt es eine Eigenschaft der Juden, welche nicht allen heterogenen Massen eigen ist: Die Juden befinden sich in der Minorität. Die jüdische Masse ist überall kleiner als die Restmasse. Es ist nicht „die große Zahl", die das Schicksal der Juden bestimmt, sondern ihre kleine Zahl. Überall da, wo diese jüdische Minorität in

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