Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1919)
- Article
- Der neue Typ
- Date
- 1919-01-10
- Page
- Seite 165 (sequence 3)
- Language
- German
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165 knapp vor dem' mehrerwähnten Gipfelpunkt — fast schon die Vollreife in Verantwortungs- und Voraussetzungslosigkeit erreicht ist. Wem. wio mir, das Schicksal beschieden hat, in einem verhältnismäßig regen privaten Verkehr mit Leuten dieses letzten Wegstückes zu stehen, der w^eiß von ihrer Art ein Lied zu singen; Wie sie niemals in sich hinein- und in die Ewigkeit hinaushorchen, desto empfänglicher aber für jeden Läum sind, den'ihnen irgendein Mode wind von irgendwo zuträgt. Wie sio nicht imstande sind, die Kategorien menschlichen Gesamtheitslcbcns: Religion, Nation, Staat von innen heraus zu erfassen, den innerste» Wert ihres Wesens und ihrer Gegebenheit zu erspüren, in ihr Weiterwerden stolz und schöpferisch sich einzufügen, ihre Unzulänglichkeiten mit Würde zu ertragen oder liebend zu überwinden: sondern wio sie im besten Falle — wenn nämlich noch etwas Echo von dem Gott über Natur und Geschichte in ihnen ist — nach vermittelnden Formeln suchen, sonst sich mit entschiedenen Formeln über die „romantischen*1 oder „verbrecherischen" „Überflüssigkeiten" und „Oberholtheiten" stellen. Wie sie nervös werden, wenn ihnen irgend etwas, was Anziehungspunkt, Richtlinie, Gestaltungsebene oder Inhalt einer geschichtlichen Schöpfung ist, nur in die Nähe kommt, und dann nicht ruhen, bis sie es nicht mit den Gaswolkcn und den Minen ihrer feindseligen Respektlosigkeit eingekreist haben. Wie sich in ihnen eine Art Wahnvorstellung; festgesetzt hat, als ob alles göttliche Gesetz und alles, was -die Geschlechterfolgen ausgearbeitet haben, nur dazu da ist, um von ihnen nach allen Regeln der Impotenz zerzaust und bespien zu werden, und als ob ihr Verdienst um so größer würde, jo kräftiger sie dies tun und je weniger Gegenstände sie verschonen. Wie sie größenwahnsinnig genug sind, sich für die Exponenten und Lehrer der Völker zu halten, während sie nur die Symptome der Entaeelung der Völker und deren Vergewaltiger, dabei gewöhnlich auch nur von den Blasebälgen der Mode und Reklame aufgepumpt sind. Wie sie sich so erleuchtet und so hoch erhaben über die „Zurückgebliebenen" dünken, die zuviel Ehrfurcht und Wesentlichkeit in sich haben, um mit ihnen zusammen -ein Wettaufspießen aller ewigen oder dauerhaften Werte zu veranstalten. Und wie sie mit ihrer aller Voraussetzung; wirklich baren, schwankenden Geistigkeit — drollig genug — sicli unterfangen, das geistige und seelische Gleichgewicht der anderen für abnorm zu erklären. Wenn man mich aber fragt, was zu tun sei, damit unter uns Juden •die Zahl dieser Leute nicht zunehme, die da glauben, schwere Gesell- Schaftsprobleme durch eine Art geistigen Getrampels lösen zu können, — so weiß ich vorläufig keinen anderen Rat, als daß alle diejenigen, die der Tyrannei der Trampler widerstreben, fest bleiben und .sich gegenseitig* ermutigen. Dazu gehört vor allem, daß sie sich gewissenhaft prüfen, ob sie nicht seibor mitgefährdet oder gar schon Glieder jener gefährdenden Reihe sind, die mit den Trotzkys abschließt. Sich' prüfen und sich sozusagen abhärten, — namentlich auch der Versuchung widerstehen, einen Zusammenhang zwischen Zeitschlagworten und der Be-