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Neue jüdische Monatshefte · 1919-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1919) · p. Seite 166

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 7-8 (10.1.1919)
Article
Der neue Typ
Date
1919-01-10
Page
Seite 166 (sequence 4)
Language
German
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164 rufung und Aufgabe des jüdischen Volkes zu finden. Denn der Geist, der aus der Lehre Mosis, aus den gewaltigen Weissagungen unserer Propheten; aus dem liebe- und friededurchtränkten Wirken und Schaffen unserer Weisen zu uns herüberweht, der im Leben unseres Volkes bin auf den heutigen Tag in mächtigen wirklichen Ansätzen auf die ganzp Wirklichkeit hinzielt, der in der sicheren mcssianischen Erwartung seinen höchsten Ausdruck findet, der — ich gestehe es gerne zu — selbst jenen Tramplcm oft zum Antrieb dient —, hat nicht mit dem Geiste zu tun, der deren Methoden ersinnt und anwendet. Der Jude, der die Klassen, die Staaten, die Völker, die Menschen vergewaltigen zu müssen glaubt, damit sie dadurch erlöst werden, hat auch nicht das geringste Recht, sich auf das Judentum zu berufen. Er hat seine Weisheit aus der Fremde her, von dort, wo ein wildes, atavistisches Heidentum immer wieder gegen die ihm eingeflößten jüdischen Ideen rebelliert. Mit diesem zusammen wird er auch Bankerott machen. Die' jüdenfrage - eine Minoritäienfrage Von Professor Dr. Arthur Cohen, München. f^^^ibt es eine Judenfrage? Sonderbare Frage! ' Sehen wir > sie doch überall! Fast möchte man sagen: es gibt nicht nur tiA^i eine Judenfrage, sondern mehrere, eine große Anzahl» ja uny endlich viele Judenfragen. Überall, wo wir hinsehen, gähnt uns eine Judenfrage entgegen. Aber das ist es nicht, was wir meinen. Sondern unsere Frage lautet so: Gibt es eine Judenfrage als selbständige "wissenschaftliche Frage? Diese Frage ist zu verneinen. Die Judenfrage ist keine Frage für sich, sondern ein Teil einer anderen, mehr allgemeinen Frage, nicht eigentlich wisse n s c h a f 11 i c h e Frage, sondern Teil einer solchen, Zu welcher Wissenschaft gehört die Judenfrage? Dies. ist sehr wichtig für ihre Lösung; denn davon hängt die Methode ab. mittels welcher sie zu lösen ist. Ich bin überzeugt, daß diese Feststellung, diese Einleitung nicht nach jedermanns Geschmack ist. Es möchte vielleicht von mancher Seite gegen sie eingewendet werden, daß es nicht wünschenswert sei,. die Judenfrage' als. eine wissenschaftliche Frage zu behandeln, zu einer nüchternen Methodenfrage zu stempeln. Ist doch die Judenfragefür uns Juden eine fierzensfrage, in der wir herangewachsen sind, die also ein Teil von uns ist. Andere möchten nicht gerne auf die ihnen liebgewördene Überzeugung verzichten, daß die Judenfrage eine Frage ' für sich ist, eine besondere Frage, die Frage aller Fragen für den. richtigen Juden. Aber was die Judenfrage durch unsere Art der Behandlung an schmerzvoller Süßigkeit verliert, das wird sie dadurch gewinnen, daß sie auf ein höheres Niveau gehoben wird, indem sie an den großen Menschheitsfragen teilnimmt. Abo nochmals: Zu welcher Wissenschaft gehört die Judenfrage?' Die wissenschaftlichen Erörterungen über die Judenfrage beginnen;

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