Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1919)
- Article
- Der neue Typ
- Date
- 1919-01-10
- Page
- Seite 164 (sequence 2)
- Language
- German
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162 waltigen, die niemals in Neuerungen machen, aber der Menschheit "ewig neu bleibende Gottesgeschenke überbringen. Das Judontum ist Auflehnung gegen jene urheidnische Rebellionssucht, die mit ihren errechneten, kurzfristigen Idealen die alte leichtsinnige Gewohnhcitssünderiti Menschheit samt ihren Kulturen immer wieder in den Sumpf treibt,, ist Wille zur Entsündigung durch Ewigkeitezucht für den Alltag. Das- Judentum ist ein mächtiges „Hände weg!" gegen die polternden GescMchtemacher allor Art und aller Titel, ist Mahnung an die 'Menschen* die Geschichte als. Gottes zu erkennen und sich selber in ihren Handlungen'als ehrfürchtig ahnende Bausteine zu dem gewaltigen Werke zusammenzufügen. Und darum kann kein Friede sein zwischen dem Judentum, dem üefstinneren Wesen des Judeseins, und denjenigen Juden, die jetzt so unliebsames Aufsehen erregen, — den Juden, die Gottes Bauplan woit von sich weisen und an dessen Stolle ihre Willkür setzen; die alle Bindung des Menschen als überholten Standpunkt belächeln, während ja gerade ihre „Freiheit*1 ein Ladenhüter der Menschheit noch (aus deren blindesten Vergangenheiten ist; die ruhig die Worte der Größten und Ahnendsten in ' den Wim! schlagen, weil sie sich auf kon,.geniale1* Geister berufen können; die mit einer einer besseren Sache würdigen Gläubigkeit warten, daß morgen schon ihren geliebten Kultursümpfen <Me Verwirklichungen ihrer Ideale entsprießen; die sich nicht einmal damit begnügen, Geschichte machen zu wollen, sondern sie noch dazu .sozusagen als Postarbeit erledigen zu können sich einbilden. Dabei treffen diese Kennzeichnungen — ausgenommen etwa die letzte — nicht bloß auf die Trotzkys zu. Und die jüdische Öffentlichkeit täte wahrlich gut daran, die besorgte Aufmerksamkeit, zu der sie so plötzlich erweckt ist, von den Weckern, den paar jüdischen Machthabern des Tages, auf eine breitere jüdische Schicht auszudehnen, die schon seit längerer Zeit in gewissen Abtönungen imd Steigerungen die Etappen auf dem \Vege zum heute erreichten Gipfelpunkte darstellt. Allerdings wird sich dann so mancher vbn den Besorgten selbst an Wir Nase zu packen haben, — wenn anderes ihm die Bewegung, von der auch er erfaßt ist, die/ Fähigkeit, die Zusammenhänge zu erkennen, gelassen hat. * die mit ihrem Gefhüte eigentstehen, für die das Judentum Die Reihe fängt schon bei jenen an, lieh noch ganz auf der Seite derjenigen; - nicht umsonst in die Welt getreten ist, die noch von Gott als der Quelle aller Mcuschenkultur ausgehen, die die Ewigkeitshebel Religion und religiöse Disziplin noch dankbar bejahen, vor übergroßen Gottesboten noch verehrend sich neigen, noch Abscheu vor alter Geschichtsnaehe haben und doch schon mit irgendeiner der herumfliegenden Losungen des Heidenwahns den Keim der Verwüstung und Verarmung ihrer Seele in sich aufgenommen haben. Von ihnen geht es in tausend Übergängen und Stufen weiter zu immer umfassenderer und keckerer Emanzipation von den Verantwortungen einer' edleren. Geistigkeit und von den Voraussetzungen 1 einer feineren Gesellschaftlichkeit, bis —