Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1919)
- Article
- Der neue Typ
- Date
- 1919-01-10
- Page
- Seite 163 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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161 Der neue Typ Yori Dr. Nathan Birnbaum, Wien. |j§jfie Tatsache, daß sich unter den durch die große Umwälzung in Rußland, Deutschland, Deutschösterreich und Ungarn zur Regierung oder sonst in den Vordergrund gekommenen Männern eine beträchtliche Anzahl Juden befindet, gibt nun ' auch den weitesten jüdischen Kreisen zu denken. Man begnügt sich nicht mehr mit dem berechtigten abwehrenden Hinweise, daß selbst unter den jüdischen Sozialisten, geschweige unter den Juden überhaupt, die „bolschewistisch** gesinnten eine verschwindende Minderheit bilden. Audi die Zahmsten, ich meine damit diejenigen, bei denen die Angst davor, was die Antisemiten sagen werden, am stärksten ausgebildet ist, lassen vorsichtig mahnende Worte oder zumindest deutlich hingehauchte Seufzer hören und verraten damit unwillkürlich ihre große Unruhe. Die weniger Zahmen richten gegen die Schuldigen, die in ihrem hemmungslosen Fanatismus oder Ehrgeiz große Gefahren für die jüdischen Bevölkerungen heraufbeschwören, die heftigsten Angriffe. Und die Unzahmsten kennzeichnen das Vorgehen jener Juden, die nicht jüdische Völker und Staaten mit ihrer Führung beglücken, als unerhörte Anmaßung. Aber ich glaube, daß sie alle ob der Gefahren, mit denen dieser neueste so dreist in den Vordergrund des Geschehens sich drängende- Typ der Judenheit bedroht, die Störung der Laufbalm des jüdischen Geistes vernachlässigen, die er bedeutet; daß sie ob seiner Anmaßiiehkeit seine ihr weit mehr belastende geistige Armseligkeit übersehen: daß sie sich viel m wenig Rechenschaft über seinen Ursprung und über den Inhalt des Widerspruchs geben, der zwischen ihm und dem Judentum, wie es seit Jahrtausenden gelebt wird, besteht. Kein Zweifel: Das Judentum selbst ist internem Auftreten und Verlauf eine Revolution, sogar, wie ich an anderem Orte *) ausführte, die einzige des Menschengeistes, die es je gegeben hat, die einzige, die diesen Namen verdient, weil sie, die einzige, den Menschengeist tatsächlich aus ewig scheinenden Bahnen — denjenigen der Sinnen-Untertänigkeit — zu heben unternahm. Das Judentum ist Empörung gegen eine Menschheit, die, in ihrem sinnlichen .Dasein befangen, ein Leben lebt, das sich aus Eindrücken, Wünschen und Lüsten sinn- und planlos zusammeuaddiert, statt sich es von innen heraus nach Gottes Plan aufzubauen. Das Judentum ist Aufstand gegen jenen urvererbten, urveralteten, immer wieder ausbrechenden heidnischen Größenwahn, der sieh manchmal „Freiheit" nennt, ist Ruf nach Bindung,, nach innerer, befreiender Gottverbundenheit und nach Verbundensein .durch die gemeinsame Anerkennung des göttlichen Willens und Gesetzes. Das Judentum ist Absage an eine Welt, die aus ihrer vorjüdisehen Kinderstube nicht herauskann und deren immer gleichen Kindereien immer wieder als neue Offenbarungen feiert, ist Preis der Urkraft der Ger) In ,,Gottes Volk1*, Seite 0.