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Neue jüdische Monatshefte · 1919-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1919) · p. Seite 159

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 7-8 (10.1.1919)
Article
Trennung von Kirche und Staat
Date
1919-01-10
Page
Seite 159 (sequence 4)
Language
German
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157 kreise der Gemeinde aus und müssen der Privatinitiative überlassen werden. Was aber das Schlimmere ist, die Gemeinde erhält unvermeidlich einen plutokratischon Charakter, sie ist auf die Freigebigkeit und Spendefreudigkeit einzelner Reicher angewiesen, und es liegt in der Natur der Sache,, daß .viele dieser Reichen dann den Willen haben werden, für ihre erhöhte Leistung einen erhöhten Einfluß auf die Leitung der Gemeinde zu gewinnen. Die Wirkung einer solchen Form der Trennung wäre für die jüdis.chen Gemeinden noch doppelt verheerend. Bei jeder anderen Religionsgcmeindc bleiben, selbst wenn Massen absplittern und mit ihrer Leistung zurückhalten, noch Massen übrig; bei uns Juden genügt öft schon feine geringo Anzahl den Anschluß Aufkündigender, um eine Gemeinde leistungsunfähig zu macheu, zumal sie — im Gegensatz zu christlichen Gemeinden — für ihre Synagogenbauten zumeist/ eine starke Schuldenlast auf sich genommen haben. Abgesehen sodann von den oben bereits ausgeführten Gefahren der Plutokratisierung, der mangelnden Stetigkeit in der Verwaltung, drohen für die jüdischen Gemeinden noch ideelle Gefahren. Wir hatten mit geringen Ausnahmen Einheitsgemeinden in Deutschland, Gemeinden, in denen alle Richtungen vereint waren, in denen nach besten Kräften für jede Richtung gesorgt wurde, und in denen der Zwang, aufeinander Rücksicht zu nehmen, eine erzieherische Wirkung in der Richtung auf die Erhaltung der Einigkeit ausübte. Besonders in den Mittelgemeinden milderte die Notwendigkeit, aufeinander Rücksicht zu nehmen, dio Schärfe der religiösen Parteinahme, die Gegensätze «schliffen sich wohltuend ab. Das alles droht nun anders zu werden. Bei der unbedingten Freiheit der Gemeindebildung werden alle einer bestimmten Richtung Angehörenden leicht die Möglichkeit benutzen, sich zu besonderen Gemeinden zusammenzuschließen, die Einheitsgemeinde wird sich in konservative und liberale Zirkel auflösen, die gegenseitige Rücksichtnahme: wird schwinden, dio getrennten Zirkel werden in ihrer Richtung immer radikaler werden. Und die Indifferenten werden ganz verloren gehen. Bisher waren sie, wenn auch nur ein Rest von Zusammengehörigkeitsgefühl in ihnen war, und sie nicht formell austraten, bei der Gemeinde, unterlagen einer gewissen Beeinflussung, konnten selbst oder in ihren Kindern wieder für ein positives Judentum gewonnen werden, in jener Form der Trennung gehen sie jeglichem Zusammenhang mit der Gemeindo und dadurch mit dem Judentume verloren. Die Gemeinden selbst werden wieder zu unwürdigen und früher geübten Methoden der Geldbeschaffung zurückkehren. Wie man früher, als man nicht das Besteuerungsrecht und damit die Möglichkeit hatte, zu den Ausgaben alle nach ihrer Kraft heranzuziehen, indirekte Abgaben einführte, gewisse Gelegenheiten ausnützte, in denen der Einzelne die Gemeinde m Anspruch nehmen mußte, so wird man es wieder maclien müssen. Man wird zu Schächtgebühren zurückkehren, man wird wieder, wenn der Friedhof und die Chewra Kadischa, wenn der Trauhimmel in Anspruch genommen wird, diese Gelegenheit zu Geldfordeningen ausnützen, bei denen' über die eigenen Ausgaben

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