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Neue jüdische Monatshefte · 1919-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1919) · p. Seite 150

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 7-8 (10.1.1919)
Article
Ausgleich
Date
1919-01-10
Page
Seite 150 (sequence 4)
Language
German
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'HS Seite Verstimmungen erzeugt, die zu unfruchtbaren Auseinandersetzungen führten, öffentliche unerquickliche Polemiken brachten und geradezu in Feindseligkeiten ausarteten. Und warum das alles? Nur um Begriffe willen und um „Überzeugungen". Das natürliche Gefühl, der gesunde Menschenverstand, der über die auf der Oberfläche liegenden Gegensätze hinweggekommen wäre und die in der Tiefe ruhende Gemeinsamkeit mit sicherem Instinkt erkannt hätte, war in der Hitze des Kampfes verloren gegangen. Ich rufe die deutschen Juden zur Selbstbesinnung und Selbsterkenntnis auf. Die gemeinsame Arbeit ist möglich, wenn man keinem der Mitarbeiter zumutet, sein Deutschtum oder sein Judentum zu verleugnen. Werm die deutschen Zionisten ihr Deutschtum so bekennen, wie Louis Brandeis sein Amerikanertum, so bleibt auch beim bösesten Willen kein Wesensunterschied übrig, der eine gemeinsame Arbeit zwischen deutschen Zionisten und Nichtzionisten ausschlösse. Es ist selbstverständlich, daß der deutsche Jude die Verhältnisse unserer Stammesbrüder außerhalb Deutschlands nicht nur mit einer äußerlichen Sympathie, sondern mit dem warmen Interesse betrachtet, die das Gefühl der. S tarnm e sgem eins chaft eingibt. Aber er betrachtet sie als Deutscher, ebenso wie es von seinem Standpunkte der engüische und amerikanische Jude tut, ob er Zionist ist oder nicht. Daraus ergibt sich ohne weiteres, daß die von dem zionistischen Büro in Kopenhagen aufgestellten Forderungen auch für die nicht zionistisch gesinnten deutschen Juden zum größten Teil annehmbar, jedenfalls diskutabel sind und eine geeignete Grundlage für eine Verständigung auf einem jüdischen Kongreß bieten. Nur die Frage, ob die deutsche jüdische Bevölkerung, obwohl sie in Deutschland nicht in Massensiedelungen lebt, Anspruch auf nationale Autonomie erheben soll, würde den Gegenstand lebhafter, zurzeit nicht lösbarer Auseinandersetzungen bilden. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die erdrückende Mehrheit der deutschen Juden eine nationale Autonomie innerhalb Deutschlands ablehnen wird. Wer die Politik als die Kunst des Möglichen betreibt, wird daher diesen Punkt -von der Erörterung zurückstellen. , Dies sei eine Mahnung gleichermaßen an die zionistische und nichtzionistische Richtung. Warten wir die Entwicklung der Dinge ruhig ab. Einzelfragen wären in der Tat durch eine Verständigung zu lösen, wenn man sie ihres grundsätzlichen Charakters entkleidet, der nur die unfruchtbaren theoretischen Erörterungen immer wieder von neuem entfachen würde. Dies gilt im besonderen Maße für die Gemeindepoditik." Die Einführung des Begriffs der Volksgemeinde, der den religiösen Kreisen, inbesondere den orthodoxen von ihrer grundsätzlichen Religionsauffassung aus mißfallen muß, schafft den nichtzionistischen deutschen Juden wegen der prononzierten Betonung des nationaljüdischen Charakters prinzipielle Bedenken. Und doch würden in einer Reihe von Einzelforderungen, wenn sie rein sachlich erhoben und begründet würden, eine Verständigung mit Leichtigkeit erzielt werden.' j .

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