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Neue jüdische Monatshefte · 1919-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1919) · p. Seite 149

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 7-8 (10.1.1919)
Article
Ausgleich
Date
1919-01-10
Page
Seite 149 (sequence 3)
Language
German
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147 anders. Man kann für diese Auffassung schließlich Verständnis aufbringen. Aber wer so denkt, muß daraus seine Folgerungen ziehen. Er kann Deutschland nicht als seine Heimat betrachten und nicht die aus dem Heimatrechte erwachsenden Ansprüche in Deutschland erheben. Der Nur-Deutsche, der jede innere Beziehung zum Judentum verloren hat, gehört nicht in die jüdische Gemeinschaft und mag auch hieraus seine Folgerungen ziehen. Ein deutscher J u d e ist er nicht mehr. Der deutsche Jude aber, der in Deutschland seine Heimat hat und hier kraft seiner Geburt, seiner Tradition, seiner kulturellen, geistigen und seelischen Bedürfnisse und seiner Bodenständigkeit gefühlsmäßig wurzelt, der aber in gleicher Weise kraft seines Blutes, seiner Tradition, seines Gefühls und seines Willens Jude ist, liebt sein Vaterland nicht minder wie sein Judentum. Er ist auch als Jude vollberechtigtes Glied des deutschen Volkstums. Dies gilt in gleicher Weise für Zionisten und Nichtzionisten. Die abgeklärten Zionisten und Nichtzionisten unterscheiden sich nur durch die Intensität der einen oder anderen Empfindung und durch den Vorrang, den sie in ihrem Innenleben der einen oder-der anderen Empfindung gewähren. Diese Erkenntnis wird die Verständigung erleichtern. . Wie das deutsche und das jüdische Gemeinschaftsempfinden theoretisch erklärt wird — ob die Gemeinschaft als eine „nationale'4 Gemeinschaft, Glaubensgemeinschaft oder Stammesgemeinschaft charakterisiert wird —, ist für den praktischen Politiker ebenso gleichgültig wie für die urwüchsig und natürlich empfindende Masse, die von. des Gedankens Blässe nicht angekränkelt ist. Unsere Väter und Großväter, die zu einer Zeit lebten, als es noch keinen Zionismus gab, haben Deutschtum und Judentum niemals als .einen. Widerspruch empfunden. Ihr naiver Instinkt für die Vereinbarkeit deutscher und jüdischer Lebensauffassung hat sie zwanglos auf den richtigen Weg geführt und muß auch uns leiten. Las.senwir die Theorien, die nur die Begriffe und Gefühle verwirren. Nur die einseitig theoretische Betrachtung und die Propaganda für die eine oder andere Richtung hat die Kluft zwischen den Juden Deutschlands geschaffen, die es in den anderen Kulturländern Westeuropas und der neuen Welt in diesem Maße nicht gibt. Diese doktrinäre Betrachtungsweise, das Systematisieren des einfachen Denkens, das an Stelle naiver, echter Gefühle komplizierte. Überzeugungen setzt, für die man mit religiösem Fanatismus „kämpft", ist vieQleicht eine Eigenschaft, die dem deutschen Juden, insbesondere dem deutschen Zionismen, gerade als Deutschem anhaftet. Mit Recht macht Friedemann in dem zitierten Aufsatz der zionistischen Propaganda den Vorwurf des unpraktischen Radikalismus. Jeder, der in * Judenfragen praktische Politik zu treiben versucht hat, wird dies bestätigen. Er wird immer wieder die Erfahrung machen, daß die unduldsame Propaganda gewisser zionistischer Kreise die gemeinsame Arbeit erschwert und vielfach unmöglich gemacht hat. Der begreifliche Widerspruch gegen diese Methoden hat auf der anderen

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