Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1919)
- Article
- Ausgleich
- Date
- 1919-01-10
- Page
- Seite 151 (sequence 5)
- Language
- German
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149 t^ Darum seien — vom-Standpunkt der praktischen Politik zur Wahrung -unserer gemeinschaftlichen Interessen — die Forderungen erhoben: 1. Der geplante jüdische Kongreß sei ein Kongreß der deutschen Juden aller Richtungen. .Hier soll eine Einigung über die Forderungen der deutschen Juden an die Friedenskonferenz erzielt werden. 2. Auf dem jüdischen Weltkongreß sollen die deutschen Juden durch Delegierte aller Richtungen vertreten sein. 3. Es soll auch in Zukunft eine gemeinsame Arbeit aller Richtungen unter Ausschaltung jeder Propaganda und theoretischer Erortcrungen während des Zusammenarbeitens insoweit angestrebt werden, als gemeinsame Ziele eine gemeinsame Tätigkeit wünschenswert erscheinen lassen. Jüdisches Volkstum und deutsches Staafsbürgerium*) =^er Staat an sich ist eine Idee, d. h. ganz allgemein, diese Art der Gesellschaft von Menschen, die in einem geschlossenen politisch-ökonomischen Gebilde wohnen, unterliegt gewissen gesetzmäßigen Bindungen, die unverändert bleiben, ob nun ein Staat nur von Malayen oder von Malayen und Chinesen gebildet sei, ob er auf einem Festlande oder auf einer oder mehreren Inseln liege, ja ob er sich auf der Erde oder auf dem Monde befinde. Eine dieser gesetzlichen Beziehungen wollen wir hier einer Prüfung unterwerfen. Wir wollen untersuchen, ob der Mensch, der in einem Staate lebt, freiwillig lebt und seine Zugehörigkeit zu diesem Staate bejaht — ob ein solcher Mensch lediglich und ausschließlich diese eine Bindung haben darf, wenn er ein guter Bürger dieses Staates sein will, oder ob er noch anderweitig sich verbunden fühlen darf, und diese anderen Beziehungen bejahen, ohne daß ihm. ein Einsichtiger hieraus einen Vorwurf machen kann. Was heißt das zunächst, die Zugehörigkeit zu einem Staate bejahen? Diese Formel klingt so kalt, und kalt auch klingt uns das Wert „Staatsbürger". In der Wirklichkeit aber bezeichnet das einige der wärmsten, lebendigsten und teuersten Empfindungen, die der Mensch zu seinesgleichen auf Erden hat. Denn im täglichen Leben bemerken wir den Staat; ja nicht anders als in Beziehungen zu Menschen, die uns *) Der XV. Delegiertentag der Deutschen Zionisten hat die Einberufung1 eines Kongresses beschlossen, an dem alle in Deutschland wohnenden Juden teilnehmen sollen, „die bewußt ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Volke an der Entwicklung eines lebendigen Judentums mitarbeiten wollen". Durch die Kongreßbewegung ist das Problem des Verhältnisses des Nationaljudentums zum deutschen Staate wieder besonders aktuell geworden. Wir veröffentlichen im folgenden einen uns von zionistischer Seite zugehenden Versuch einer gegedanklichen Klärung dieses Problems, der ebenso wie die vorherigen beiden Aufsätze von Geh. Rat Dr. Eugen Fuchs und Dr. Haase dio wichtigsten Fragen des deutsch-jüdischen Lebens behandelt. < Die Redaktion.