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Neue jüdische Monatshefte · 1919-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1919) · p. Seite 148

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 7-8 (10.1.1919)
Article
Ausgleich
Date
1919-01-10
Page
Seite 148 (sequence 2)
Language
German
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146 brauchen Klarheit. Nicht äußerliche Kompromisse, die notdürftig die Kissfr verkleistern und bei jeder grundsätzlichen Frage auseinanderfallen, können uns helfen. Die Verständigung muß eine echte und aufrichtige sein. Sie ist möglich, wenn man auf den Grund der Dingo sieht und sich nicht den Blick durch die bisherigen Methoden des unglückseligen Bruderzwistes trüben läßt. ■ Die Grundlage der Verständigung für uns deutsche Juden bildet die Erkenntnis: Wir sind Deutsche und wir sind Juden. Das Problem — wenn es überhaupt eins ist — hat für uns keinen anderen Inhalt wie für die westeuropäischen und amerikanischen Juden.' Was für die hervorragenden Führer der englischen, französischen und amerikanischen Zionisten gilt, das hat auch für alle deutschen Juden Geltung. Wie jene mit Leib und Seele vorbildliche Vertreter dös westeuropäischen und amerikanischen Volkstums und dabei zugleich bewußte und vorbildlich wirkende Juden sind, so sind nach Wille und Gefühl auch die Mehrzahl der deutschen Zionisten, ebenso wie die nicht zionistisch orientierten deutschen Juden, in Wahrheit zugleich gute Deutsche und gute Juden. Sie können es sein, ohne ihre Grundsätze zu verleugnen. Zwischen dem politischen Bekenntnis eines Eugen Fuchs [z. B. in „Glaube und Heimat4*1)], eines Adolf Friedemann'(z. B> in dem Aufsatz „Die Juden und der Friedenskongreß" in Heft 3/5 1918 der Neuen jüdischen Monatshefte) und eines Franz Oppenheimer sind unüberbrückbare Gegensätze nicht zu finden. In Wirklichkeit sind die» Grundauffassungen für den unbefangenen Beobachter dieselben. Gemeinsam ist ihnen — und das ist das Prinzipielle und Wesentliche — ein Ausgleich zwischen deutschem und jüdischem Empfinden. Die Verschiedenheiten sind eigentlich nur Gradunterschiede des Verhältnisses dieser beiden Empfindungen, wie sie bei jedem Menschen je nach Weltanschauung, Temperament, Umgebung und Interessen immer vorhanden sein werden. Dieser Ausgleich ist das Ergebnis einer naturgemäßen Entwicklung der letzten Jahrzehnte. Ihn praktisch auszuwerten, ist nicht nur eine dankenswert© Aufgabe, es ist eine politische Notwendigkeit. Höchste Zeit ist es, daß wir aus dem Theoretisieren, der Propaganda und den Polemiken herauskommen, daß wir endüich das Einigende erkennen und auf der Erkenntnis der gemeinsamen Grundauffassung die praktische Politik aufbauen. Man kann- Nur- Jude sein und nichts vom deutschen Empfinden besitzen. Man kann «Nur-Deuts eher sein und nichts V04 jüdischen Empfinden besitzen. Man kann endlich ein deutsches und jüdisches Empfinden harmonisch miteinander vereinigen. Der .Nur-Jude, dem das Deutsche ein rein zufälliges Attribut Ist, dem die Zugehörigkeit zum deutschen Volke nur ein äußerliches,; rein rechtliches Band, aber kein inneres Verhältnis bedeutet, gehört ^n den deutschen Volkskörper nur als ein Fremder. Er will es auch nicht l) „Nquq Jüdische Monatshefte" Bd. I, 1916/17, S.,629.

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